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Band I.
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legte ein Wams und ein Hemd, welche beide mit Blutspuren beflecktwaren, auf den Steintisch und begann ihre Klage: „Diese Kleidertrug Walter, ein Waisenknabe aus unserer Sippe, der von uns be-hauset und behofet wird, als er durch Helmbrecht von Wartensee5 niedergeworfen wurde. Und das verlief so: Der Knabe war auf demHeimweg von der Schule in Münster. 1 Als er aus dem Mohrentaler-wald heraustrat, sang er ein Lied, das er von unserem Knecht Sieg-bert oft gehört hatte. Und das Lied war dieses:

1. Eine Seele kam vors Himmelstor;Sankt Peter sprach: „Wer ist davor“ ?„Ein edler Ritter ist davor;

Tut auf, tut auf das Himmelstor“!

2. „Und ist ein Ritter auch davor,Geschlossen bleibt das Himmelstor,

Bis du mir sagest schlecht und recht,Ob schlimm du wärest, ob gerecht.

3. Hast sorglich du gerettet, genütztUnd Witwen u. Waisen redlich beschützt,.So komm herein zum Engelchor!

Auf tut sich dir das Himmelstor.

4. Hast du geraubt, gemordet, gesengt,.Mit harter Not das Land bedrängt,

So fordert dich der Höllenmohr;Verschlossen bleibt dir das Himmelstor“.

So sang der Knabe, ohne an etwas zu denken. Da huschte, wie10 ein Pfeil, Helmbrecht von Wartensee aus dem Dickicht hervor undfragte barsch ■. „Bube, von wem hast du das abscheuliche Gekrächzegelernt“ ? Er sprach es mit fürchterlicher Stimme und sah mit seinemlangen Schnurrbart, in dem grünen Jagdgewand und mit der hohenFeder auf dem Hute ganz entsetzlich aus. Der Knabe schauderte15 vor Schrecken zusammen, riss die Mütze vorn Kopfe und stotterte:„Herr, das Lied singt man bei uns zu Hause, und darum habe iches gelernt“. „Woher kommst du“? fragte darauf Helmbrecht, undWalter antwortete: „Aus der Schule“. Darüber erzürnte der Ritterund sagte barsch: „So! Soll denn auch jeder dumme Bauernbube den20 Schulmeistern in die Klauen geraten! Wem gehörst du“ ? „DemMüller Kuno in Sempach“, war die Antwort. Grimmig rief nun Helm-brecht: „So trage das heim als Lohn für deinen Gesang“! langtemit dem Jagdspiesse aus und stiess dem Knaben das spitze Eisentief in die Schulter, worauf er im Walde verschwand. Und dass ich25 getreulich nach der wahren Gestalt der Sache geklagt habe, dafürist Zeuge der Bauer in Horlachen 2 und der Bannwald KuonzmannKissling. Sie werden sagen, dass Helmbrecht von Wartensee denKnaben Walter unehrlich und nicht redlich niedergeworfen hat“.

Nun sprach der Schultheiss: „In geziemender Weise ist zu Recht-30 gesetzt worden, dass Helmbrecht von Wartensee den Knaben Walter

Münster: 10 Kilometer nördlich von Sempach.Horlachen : 3 Kilometer nördlich von Sempach.