192
doch bald wieder, als das Fräulein mit wundersüsser, silberreinerStimme sprach: «Ich bin eure Freundin, die Bergfei, die im kri-stallenen Schloss mitten in den Bergen wohnt, mit unsichtbarer HandGold in den Rheinsand streut und über siebenhundert dienstbare5 Geister gebietet. Drei Wünsche dürft ihr tun; drei Wünsche sollenerfüllt werden».
Hans drückte den Ellenbogen an den Arm seiner Frau, als ober sagen wollte: «Das lautet nicht übel». Die Frau aber war schonim Begriffe, den Mund zu öffnen und etwas von ein paar Dutzend10 goldgestickten Hauben, seidenen Halstüchern und dergleichen zurSprache zu bringen, als die Bergfei sie mit aufgehobenem Zeige-finger warnte; «acht Tage lang», sagte sie, «habt ihr Zeit; be-denkt euch wohl und übereilt euch nicht» ! — «Das ist kein Fehler»,dachte der Mann und legte seiner Frau die Hand auf den Mund.15 Das Bergfräulein aber verschwand.
Die Lampe brannte, wie vorher, und statt des Rosendufts zogwieder, wie eine Wolke am Himmel, der Öldampf durch die Stube.So glücklich nun unsere guten Leute in der Hoffnung schon zumvoraus waren und keinen Stern mehr am Himmel sahen, sondern20 lauter Bassgeigen, so waren sie jetzt doch recht übel dran, weilsie vor lauter Wunsch nicht wussten, was sie wünschen wollten,und nicht einmal das Herz hatten, recht daran zu denken oderdavon zu sprechen, aus Furcht, es möchte für gewünscht passieren,ehe sie es genug überlegt hätten. «Nun», sagte die Frau, «wir25 haben ja noch Zeit bis am Freitag».
Des andern Abends, während die Grundbirn zum Nachtessenin der Pfanne prasselten, standen beide, Mann und Frau, vergnügtan dem Feuer beisammen, sahen zu, wie die kleinen Feuerfünkleinan der russigen Pfanne hin und her züngelten, bald angingen,30 bald auslöschten, und waren, ohne ein Wort zu reden, vertieftin ihrem künftigen Glück. Als die Frau aber die geröstetenGrundbirn aus der Pfanne auf das Plattlern anrichtete und ihrder Geruch lieblich in die Nase stieg, sagte sie dazu in aller Un-schuld und ohne etwas anderes zu denken: «Wenn wir jetzt nur35 ein gebratenes Würstlein dazu hätten » ! Und o weh, da war der ersteWunsch getan! Schnell, wie ein Blitz kommt und vergeht, kam eswieder wie Morgenrot und Rosenduft untereinander durch dasKamin herab, und auf den Grundbirn lag die schönste Bratwurst.Wie gewünscht, so geschehen.
40 «Wenn dir doch nur die Wurst an der Nase angewachsen
wäre»! sprach er in der ersten Überraschung auch in aller Un-