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Band I.
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schuld und ohne an etwas anderes zu denken, und wie gewünscht,so geschehen. Kaum war das letzte Wort gesprochen, so sass dieWurst auf der Nase des guten Weibes fest, wie angewachsen, undhing zu beiden Seiten herab, wie ein Husarenschnauzbart.

Nun war die Not der armen Eheleute erst recht gross. Zwei 5Wünsche waren getan und vorüber, und noch waren sie umkeinen Heller und um kein Weizenkorn, sondern nur um eineböse Bratwurst reicher. Noch war ein Wunsch zwar übrig; aberwas half nun aller Reichtum und alles Glück zu einer solchenNasenzierat der Hausfrau? Wollten sie wohl oder übel, so mussten 10sie die Bergfei bitten, mit unsichtbarer Hand Barbierdienste zuleisten und Frau Liese wieder von der vermaledeiten Wurst zubefreien. Wie gebeten, so geschehen, und so war der dritte Wunschauch vorüber, und die armen Eheleute sahen einander an, warender nämliche Hans und die nämliche Liese nachher wie vorher, und 15die schöne Bergfei kam niemals wieder.

Merke: Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts,wer den Verstand nicht hat, sie zu benutzen. joh. Peter Hebel.

1760—1826.

133. Das Abschiedsmahl der Zwerge.

(Aus „Martin Salander“.)

jp'rau Marie Salander war in so dürftige Umstände gekommen,„Ah. dass sie eines Abends für sich und ihre drei Kinder Setti, Netti 20und Arnold gar nichts mehr zu essen hatte. Als diese sahen, wiedie Mutter mit Kummer auf einen Sessel sank, unterdrückten sie,um sie nicht noch mehr zu betrüben, die Klagen über ihren Hunger.

— Ihr leises Weinen wurde bald durch das Rauschen eines tüchtigenRegenschauers übertönt, der jetzt niederfiel und die Luft verdunkelte, 25und so blieb es eine gute Weile still in dem dämmernden Gemach.Frau Marie benutzte den Augenblick, ihre Lebensgeister zu versam-meln; sie beschloss, die Gedanken der Kinder womöglich von ihrenKümmernissen abzulenken und zu beschäftigen, bis vielleicht dieDunkelheit heranschliche und den lieben Schlaf brächte. 30

Der Himmel selbst schien ihr zu Hilfe zu kommen; denn esward heller um sie her; die sinkende Sonne beherrschte wieder dasFeld und hatte die Regenwolke den Bergabhang hinauf an den Wald-rand getrieben, wo sie als eine dunkle, graue Wand hängen blieb,auf welcher der breite Fuss eines Stückes Regenbogen sehr kraftvoll 35

Schmid, Lesebuch I. 2. Aufl. 13