320
und die Heimatliebe und Heimatfreude herausfühlten, wurde er derLiebling und der Stolz des badischen Oberlandes, und jetzt wirdauf der weiten Welt kein Dichter von seinen Stammesgenossen sotreu geliebt und so schön geehrt, wie Hebel.
5 Später übernahm er vorn Kirchenrate den Auftrag, den „Land-kalender“ zu verfassen, der von den Bewohnern Badens gekauftwerden musste und dessen Ertrag dem Gymnasium in Karlsruhezugute kam; er nannte ihn von nun an „Rheinländischer Haus-freund“ und bearbeitete ihn mit grosser Liebe und Hingebung, da er10 von einem solchen Volksbuche die Meinung hatte, es habe nicht nurzur Unterhaltung, sondern auch zur Belehrung und Bildung desVolkes beizutragen, um so mehr, da bei dem damaligen fast gänz-lichen Mangel an Zeitungen der Kalender in vielen Familien dieeinzige Lektüre war. Nicht bloss Zeitungsberichte und Anekdoten15 nahm er auf, sondern, der Gemütsart des Volkes entsprechend, Er-zählungen und andere Aufsätze in scherzhafter und ernster Formaus dem Alltagsleben, aus Geschichte, aus Naturkunde, Betrach-tungen über das Weltgebäude usw., so dass ein Kalender entstand,der vielen spätern zum Muster diente.
20 Jedes Jahr wurden etwa 40,000 Stück von demselben verkauft,wodurch der Name Hebels noch bekannter wurde, als durch seineGedichte. Aus den schönsten Erzählungen desselben machte erspäter ein Buch, das er „ Schatzkästlein des rheinischen Haus-freundes“ nannte und aus dem mehrere lustige Erzählungen auch25 in unser Lesebuch aufgenommen wurden, z. B. „Drei Wünsche“,„Seltsamer Spazierritt“, „Der listige Quäker“, „Der geheilte Patient“,„Der Zahnarzt“, „Jak. Humbel“ und andere.
So wurde Hebel nicht nur in ganz Baden bekannt, sondern inganz Deutschland und in der Schweiz berühmt und, was noch30 mehr ist, von einem jeden, der ihn kannte, geehrt und geliebt.
Als Mitglied der obersten Kirchen- und Schulbehörde Badensreiste er im September 1826 nach Mannheim, um an der Prüfungdes dortigen Gymnasiums teilzunehmen, obschon er sich unwohlfühlte. Da nachher sein Übelbefinden noch zunahm, so eilte er35 nach Schwetzingen 1 zu einem seiner alten Freunde, dem gross-herzoglichen Garteninspekter Zeyher. In wenigen Tagen nahm dieKrankheit, ein Unterleibsleiden, rasch und so sehr zu, dass er am22. September in den Armen seines treuen Freundes für immerentschlief.
Einem Städtchen in der Nähe des Rheins.