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245. Bitte eines Neffen an seinen Oheim.
Bern, den 25. Juni 19 . .
Lieber Onkel!
Heute verkündigte uns unser Lehrer: „Knaben, auf den 1. Juligibt’s für vier Wochen Ferien“! Mit lautem Hurra empfingen wir diese5 Freudenbotschaft und rannten nach Schulschluss mit derselben nachHause, um sie auch hier zu verkündigen. Zu gleicher Zeit rückteich aber auch mit einer Bitte an meine Eltern heraus, und dieselbebestand in nichts Geringerem, als die Sommerferien bei Dir, lieberOnkel, zubringen zu dürfen. Von den Eltern habe ich die Erlaubnis10 erhalten, und nun komme ich, auch Dich und die liebe Tante umdieselbe zu bitten.
Das Leben in der Stadt bietet zwar auch für die Schuljungen,welche Ferien haben, manch Angenehmes. Trotzdem zieht’s michimmer aufs Land hinaus. Mir schadet zwar die beengende Stadtluft15 durchaus nichts; gleichwohl atme auch ich jedesmal freier auf,wenn ich der Stadt den Rücken kehre, um in Feld und Wald hin-auszuwandern. Und wie herrlich ist’s erst, sich wochenlang draussennach Herzenslust tummeln zu können! Das habe ich ja, dank DeinerGüte, lieber Onkel, letztes Jahr zur Genüge erfahren, wo ich die20 langen Ferien bei Dir zubringen durfte. Und eben weil ich die Freu-den und Annehmlichkeiten, die ein Aufenthalt bei Dir mir bietet,schon kenne, so habe ich mir für die kommenden Tage bereits Plänegeschmiedet. Dein Fritz und ich, wir zwei werden die Zeit durchArbeit und Spiel schon auszufüllen wissen. Da ich in den letztjähri-26 gen Ferien doch schon einige ländliche Arbeiten anfassen lernte undum ein Jahr älter und stärker geworden bin, so kann ich michhoffentlich auch schon etwas nützlicher machen. Nicht wahr, lieberOnkel, Du erlaubst Deinem Neffen, dass er kommen darf?
Einer recht baldigen und hoffentlich günstigen Antwort sieht30 ungeduldig entgegen
Dein Dich bestens grüssender Neffe
Hans.