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260. Eile mit Weile!
(Aus der Gedichtsammlung „Im Werden".)
Hirt Käfer eilte mit vergnügtem SinnVorn Walde her zum nahen Weinberg hinUnd traf am Feldweg eine kleine Schnecke,
Die mühsam kroch dieselbe Reisestrecke.
5 „Ei", rief er, „drüben bin ich gleich im Nu;
Du brauchst wohl noch den ganzen Tag dazu" ?
Er stieg aufs Häuschen ihr und tanzte heiter,
Sprang flink herab und eilte lachend weiter.
Das Schnecklein wanderte im Sonnenschein30 Viel Stunden lang den weiten Weg feldein,
Bis endlich, als der Abend still sich neigte,
Sich ihrem Blick der nahe Rebberg zeigte.
Doch wie erstaunte unsre Schnecke da,
Als sie den Käfer plötzlich vor sich sah!
3 5 Der konnte keinen Schritt mehr weiter gehenUnd bat die Freundin, ihm doch beizustehen,
Da er im Jagen über Stock und SteinBeim Sprunge sich verletzt an einem Bein.
Voll Mitleid sprach das Schnecklein: „Soll ich's »vagen,
20 Den kurzen Weg aus Ziel dich noch zu tragen,
So merk' es dir: „Wer allzu schnell will sein,
Den holt am End' — noch eine Schnecke ein".
Karl Albert Burgherr.1875.
SSb
261. Rose und Distel.
(Aus der Gedichtsammlung „Im Werden“.)
Zur Rose an des Gartens RandDie Distel sprach, die in der Hecke stand:„Warum will von den Blumen allenBloß ich dem Menschen nicht gefallen?
5 Dich kann er nicht genug befehlt;
Mich Iaht er hier verachtet stehn.
Dich stellt er in die Blumenvase;
Mich frißt der Esel mit dem Grase.
Hab' ich nicht Bütten denn, wie du,
10 Gleich dir auch Dornen noch dazu“?
Die Rose sprach: „Was hilft dein Riagen?Du mußt dein Eos geduldig tragenWohl hast du Dornen, wie mein Strauch;Doch — duften deine Bluten auch“?
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Karl Albert Burgherr