Band 
Band I.
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Da grüßte sie Jubel und Friede tief.

25 Auch Harro war da. — Und Harro rief:

„Sind's alle"?

Dumpf, wie das Bedauern spricht,

Kam die Antwort: „Alle! — Nur einer nicht!

Den einen, ihn trug das Boot nicht mehr,

30 Und der Sturm riß so wild an den knarrenden Leinen,Und er hing in den Tauen, so steif, so schwer"!

Ruhig sprach Harro: „Ich hole den einen!

Geht ihr mit" ?

Ihr Zögern sprach: „Nein"!

85 Er sprang ins Boot: „So fahr' ich allein"!

Kräftig nimmt er die Ruder zur Hand.

Da taucht sein Mütterchen auf am StrandUnd sieht ihn, wie's nur eine Mutter kann:

„Geh nicht! Vergiß ihn, den fremden Mann!

40 Deinen Vater haben die Wellen verschlungen,

Und denk deines Bruders, denk Uwes, des jungen,

Der nun seit Jahren schon draußen blieb!

Geh nicht! Bleib da! Deiner Mutter zulieb"!

Harro sprach freundlich: „Du denke dran,

45 Daß den, den der Tod dort umfaßt, der kalte,

Auch eine Mutter beweinen kann!

Ich fahre, Mutter"!

Da schwieg die Alte. —

Vier Fischer sprangen zu ihm ins Boot.

50 Und vorwärts ging's in des Sturmes Not,

In heißem Kampf mit des Wetters Wut.

Das Wrack lag schon tief in der dunkeln Flut;

Die Wogen umspritzten es wild und keck.

Und Harro erklettert das sinkende Deck55 Und schwingt sich hinaus in die steifen WantenUnd holt den Starren, den Frostgebannten,

Und bettet ihn still in den schwankenden Kahn.

Und als die Treuen dem Ufer nahn,

Entronnen der Not und dem Sturmesgrimme,

60 Hebt Harro fröhlich die kräftige StimmeUnd ruft durch die donnernde Brandung hell:

„Es ist Uwe! Sagt es der Mutter schnell"!

Frida Schanz.1859.