B
Lyrisches.
350. Morgenwanderung.
^er recht in Freuden wandern will,Der geh' der Sonn' entgegen!Da ist der Wald so kirchenstill;
* Kein Lüftchen mag sich regen;Noch sind nicht die Lerchen wach;
Nur im hohen Gras der BachSingt leise den Morgensegen.
2. Die ganze Welt ist wie einBuch,
Darin uns aufgeschriebenIn bunten Zeilen manch ein
Spruch,
Wie Gott uns treu geblieben;Wald und Blume nah und fernUnd der helle MorgensternSind Zeugen von seinem Lieben.
3. Da zieht die Andacht wie einHauch
Durch alle Sinnen leise;
Da pocht ans Herz die Liebe auchIn ihrer stillen Weise,
Pocht und pocht, bis sich's er-schließt
Und die Lippe überfließtVon lautem, jubelndem Preise.
4. Und plötzlich läßt die NachtigallIm Busch ihr Lied erklingen;
In Berg und Tal erwacht der SchallUnd will sich aufivärts schwingen,
Und der Morgenröte ScheinStimmt in lichter Glut mit ein:
Laßt uns dem Herrn lobsingen!
Emanuel Gelbel.1815 — 1884 .