479
354. Abenöbilö.
5
10
In
20
Dom kleinen Turme schallt die Abendglocke,
Und in dem Dörfchen wird es still und stiller;
Die fleiß'gen Hände ruhn nach schweren Mühn.
Dom alten Herd der schlichten, braunen HüttenErhebt in leichtem Kräuseln sich der RauchUnd mischt sich mit den linden, süßen DüftenDer weiten Flur, so bunt und sommerwarm.
Als grüne Wellen schwankt des Kornes FülleIm leisen Wind; da blicken SonnenstrahlenHinein zum jungen, dichten HalmenwaldeUnd suchen zwischen Ähren frische Knospen,
Ulit warmem Kuß sie morgen aufzuweckenZur farbenreichen, schönen Sommerblüte.
Don Grün und Blüten duftig eingehüllet.
Erhebt die Wachtel jetzt ihr muntres Schlagen,
Und drüben weit im Felde klinget Antwort,
Ein Dogel-Zwiegespräch am stillen Abend.
An seinem Stäbe ruhend, horcht der Wandrer;
Ist er daheim, die Heimat scheint ihm trauter.
Und ist er fremd, so kommt ein stiller FriedeDoch über ihn, und kann er's auch nicht sagen;
Wie Heimatgruß tönt ihm der Wachtel Schlagen.
Emma Matthps.1844—1890.
355. Slbcndlied.
Die Sonne sank; der Abend naht,
Und stiller wird's auf Straß' und Pfad,
Und süßer Friede, Ruh' und RastFolgt auf des Tages Sorg' und Last.
2. Es schweigt der Wald; es schweigt das Tal;Die Vögel schlafen allzumal.
Sogar die Blume nicket ein
Und schlummert bis zum Tag hinein.
3. Schon rieselt nieder kühler TauAuf Halm und Blatt in Feld und Au.
Im Laube spielet frische Luft,
Und Blüt' und Blume spendet Duft.