523
414. Das böse Gewissen.
(Aus dem „Geisterbesuch auf dem Feldberg".)
'S isch e böse Geist, Gott well di vor em biwahre!
Wemme früeih vermacht, 11 m viere oder um fünfi,
Stoht er vor ern Bett mit große, füürige-n-Auge,
Seit eim guete Tag mit glüehige Ruete-n und Zange.
5 'S hilft kei „das walt Gott"! und hilft kei „Ave Maria"!
Wemme bete will, enanderno hebt er eim 's Mnul zne;
Memmen an Himmel luegt, se streut er Äsche-n in d'Auge;
Het me Hunger und ißt, er wirft eim Wermuet in d'Snppe;
Möcht me z'Obe trinke, er schüttet Galle-n in Becher;
10 Lauft me wie ne Hirz, er au, und blibt nit dehinte;
Schlucht me wie ne Schatte, so seit er: „Jo, mer wen gmach tue"!Stoht er nit in der Chilchen und sitzt er nit zue der ins Wirtshaus?Wo de gohsch und wo de stohsch, sin Gspenster und Gspenster.
Gösch ins Bett, tuesch d'Auge zue, so seit er: „'S pressiert nit1b Mit em Schlofe. Los, i will der näumis verzähle:
Weisch no, wie de gstohle hesch und d'Waisli bitroge,
So und so und das und deys", und lvenn er ain End isch,
Fangt er vorne-n a, und viel ivill 's Schlafe nit sage.
Johann Peter Hebel.1760 — 1826 .
=a#
415. Wirf dein anliegen auf den ßerrn!
1. Wirf dein Anliegen auf den fierrn!
Der wird dich versorgen
Und wird den Gerechten nicht ewiglich3n Unruhe lassen.
Denn feine Gnade reicht,
So weit der Bimmel ist,
Und keiner wird zusehenden,
Der feiner harret.
2. Schau im Garten der Rose Flor!
Sieh die üilien prangen f
Wer wirkt ihr Gewand in der Wetternacht,3m Würzhauch der Frühe ?
Wie Bräutlein stehen sie da3m Perlenschmuck des Uaus;
War schöner je zu schauenGin Berr auf Thronen?