— 39
Dieses Beispiel wirkte auf die ganze Kinderschar, und viele drängtensich heran, um von ihrem Morgen- oder Mittagsbrote, oder wassie sonst zu essen mitbrachten, dem armen Knaben einen Teil zugewähren. Sie fragten auch, an welchen Tagen denn ihm undseinem Vater die Nahrung gebreche, und er antwortete der Wahr-heit gemäß: „An den Tagen, an welchen das Wetter gar schlimmist, kann mein Vater nicht draußen arbeiten; dann verdient erkein Geld, und dann kann er auch keine Speise kaufen."
Die Kinder merkten sich diese Worte, und so oft die Witterungschlimm war, boten sie nicht nur ihrem armen Mitschüler ge-nügende Speise dar, sondern drängten ihn, auch noch Brot undandere Nahrungsmittel für seinen Vater anzunehmen und sie dem-selben am Abend heimzubringen. Was hierbei noch besonders be-merkt werden muß, ist die Beharrlichkeit, mit welcher die Kleinenihre Wohltätigkeit fortsetzten. Und so halfen sie wirklich dem armenManne und seinem Söhnlein über die schwere Not des lange an-dauernden Winters hinaus.
Als endlich der Frühling wieder kam, wollte der Mann mitseinem Söhnlein in die Landschaft zurückkehren, von wo sie her-gekommen waren. Doch sein Gemüt drängte ihn, die guten Schul-kunden in Passp vorher zu besuchen und ihnen zu danken. DieKinder hörten mit Erstaunen seine Worte; denn sie hatten keinenDank erwartet, und als ihm und seinem Söhnlein Dankestränenüber die Wangen rollten, da weinten sie mit ihm, obgleich sie fröh-lichen Herzens waren. (Th. Scherr.)
44. Des armen Knaben Christbaum.
1. Was für ein fröhlich Tun und TreibenAm Weihnachtsmarkt bis in die Nacht;
Wie funkelt durch erhellte ScheibenDer schönen Waren bunte Pracht!
Wer kaufen will, muß heut noch laufen,
Daß er den Christbaum schmücken mag;
Wer feil hat, will noch heut verkaufen;
Denn morgen ist Bescherungstag.