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seinen Hauptmann auf und setzte ihn wieder aufs Pferd. Dasvergaß ihm Rudolf nie.
Einst kam Müller nach Mainz und wollte daselbst seinen ehe-maligen Hauptmann nun auf dem Reichstage als Kaiser sehen.Als Rudolf ihn bemerkte, erhob er sich vom Throne und begrüßteihn freundlich. Verwundert fragten die Fürsten, warum er voreinem so einfachen Manne aufgestanden sei und ihn so bewill-komme. Da erzählte ihnen der Kaiser die Geschichte und sagte:„Ich werde ihn immer als den Mann ehren, der mir mit GottesHilfe das Leben gerettet hat." Hierauf schlug er Müller zumRitter. (Herzog.)
o.
Rudolf von Habsburg behielt bis in sein hohes Alter einensehr lebhaften Geist, war ein Freund muntern Scherzes und machtebisweilen selbst ganz erfreuliche Späßchen. Einmal ward er voneinem Bettler mit den Worten angeredet: „Bruder Rudolf, be-schenke doch auch einen armen Mann mit einer kleinen Gabe."„Seit wann sind wir denn Brüder?" fragte ihn der Kaiser, demdiese Anrede von einem Bettler etwas Neues war. „Ei," ant-wortete der Arme, „sind wir denn nicht alle Brüder von Adamher?" „Du hast recht," sprach Rudolf, „ich dachte nur nicht gleichdaran," und mit diesen Worten langte er in die Tasche und gabihm einen Pfennig in die Hand. „Aber ein Pfennig ist doch füreinen großen Kaiser gar zu wenig," sagte der Bettler. „Was?"entgegnete Rudolf, „zu wenig? Freund, wenn dir alle deine Brüdervon Adam her so viel schenkten wie ich, so würdest du bald derreichste Mann im Lande sein." (Engelien.)
105. Kaiser Joseph II. und der Amtmann.
Einst herrschte in Böhmen arge Teuerung, so daß viele Ein-wohner die bitterste Not litten. Da ließ Kaiser Joseph Getreidein großer Menge nach Böhmen schaffen und reiste selbst dorthin,um zu sehen, ob auch alles ordentlich verteilt werde. Unerkanntkam er in eine kleine Stadt. Vor dem Amthause standen mehrere