Band 
Erster Teil.
Seite
110
JPEG-Download
 

110

5. D'Frau Stadtrot isch in Jfer groteUnd wirft binoch e Fläschen um,

Si sait: „Das wott-i eich nit rote.

Denn so ne Gsetz war grisli dumm!

Fir was denn wäre Hof und GarteUnd freu Platz und Kirchhof do?

Verschenre d'Stadt uf andri Arte,

Und lend d'Wefch an der Sunne go!"

6. „Verzirn-di nit, mi Herzesschätzli!"

So fait der Her vom Kleine Rot,

„Me loßt-der äneweg di Plätzli,

Und mit-em Treckne het's kei Not.

Tue nur e bitzli driber denke,

Do krieg-i sicher recht zuem Teil:

D'Wefch kennt'sch jo nit an d’Sunne henke,

De muesch-fi henken an e Seil!" (Philipp Hindermann)

112. I'reuätzit in Mre.

1. Ne Gsang in Ehre,Wer will’s verwehre?

Singt ’s Tierli nit in Hurst

und Nast,

Der Engel nit im Sterneglast?E freie, frohe Muet,

E gsund und fröhlig BluetGoht über Geld und Guet.

2. Ne Trunk in Ehre,Wer will’s verwehre?Trinkt ’s Blüemli nit si Morge-

tau?

Trinkt nit der Vogt si Schöppliau?

Und wer am Werchtig schafft,Dem bringt der RebesaftAm Suntig neui Chraft.

3. Ne freudig Stündli,Isch’s nit e Fündli?

Jez hemmer’s und jez sim-mer do!

Es chunnt e Zit, wird’s än-derst goh,

’s währt alles churzi Zit,Der Chilchhof isch nit wit.Wer weiß, wer bald dort lit?

4. Wenn d’Glocke schalle,Wer hilft-is alle?

0 geb-is Gott e sanfte Tod!E rüeihig Gwisse geb-is Gott,Wenn d’Sunn am Himmellacht,

Wenn alles blitzt und chracht,Und in der lezte Nacht!

(J. P. Hebel.)