Band 
Erster Teil.
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als die Mutter hörte, wie es zu dem großen Reichtum ge-kommen war, wollte sie der andern häßlichen und faulenTochter gern dasselbe Glück verschaffen. Sie mußte sich anden Brunnen setzen und spinnen; und damit ihre Spule blutigward, stach sie sich in die Finger und stieß sich die Handin die Dornenhecke. Dann warf sie die Spule in den Brunnenund sprang selber hinein. Sie kam, wie die andere, auf dieschöne Wiese und ging auf demselben Pfade weiter. Als siezu dem Backofen gelangte, schrie das Brot wieder: „Achzieh mich 'raus, zieh mich 'raus, sonst verbrenne ich; ich binschon längst ausgebacken!“ Die Faule aber antwortete: „Dahätt’ ich Lust, mich schmutzig zu machen!“ und ging fort.Bald kam sie zu dem Apfelbaume, der rief: „Ach schütte! mich,schütte! mich, wir Apfel sind alle miteinander reif!“ Sie ant-wortete aber: „Du kommst mir recht, es könnte mir einer aufden Kopf fallen!“ und ging weiter. Als sie vor der Frau HolleHaus kam, fürchtete sie sich nicht, weil sie von ihren großenZähnen schon gehört hatte, und verdingte sich gleich zu ihr.Am ersten Tage tat sie sich Gewalt an, war fleißig und folgteder Frau Holle, wenn sie ihr etwas sagte, denn sie dachtean das viele Gold, das sie ihr schenken würde; am zweitenTag aber fing sie schon an zu faulenzen, am dritten nochmehr, da wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie machteauch der Frau Holle das Bett nicht, wie sich’s gebührte, undschüttelte es nicht, daß die Federn aufflogen. Das ward dieFrau Holle bald müde und sagte ihr den Dienst auf. Die Faulewar das wohl zufrieden und meinte, nun würde der Goldregenkommen. Die Frau Holle führte sie auch zu dem Tore; als sieaber darunter stand, ward statt des Goldes ein großer Kesselvoll Pech ausgeschüttet. „Das ist zur Belohnung deinerDienste,“ sagte die Frau Holle und schloß das Tor zu. Da kamdie Faule heim, aber sie war ganz mit Pech bedeckt, und derHahn auf dem Brunnen, als er sie sah, rief: „Kikeriki, unsereschmutzige Jungfrau ist wieder hie!“ — Das Pech aber bliebfest an ihr hangen und wollte, so lange sie lebte, nicht abgehn.

(Bruder Grimm.)