Manch anderes Fest schloß sich an diesen Tag bis zur Ernte.Waren aber die letzten Garben gefallen, dann wurde der Gottheit,die gnädig darüber gewaltet, ein Dankgebet und Opfer gebracht,und Aufzüge mancher Art, in denen Wodans Schimmel und DonarsBär nicht fehlen durften, setzten die Feier fort.
Die Lust mußte sich zuletzt aus dem Freien in die enge Stubezurückziehen; die Heide ward braun und gelb, die Vögel schwiegenund zogen fort, und es ward kalt und finster. Die Zeit kam, dadie Hausfrau den Flachs verteilte und die Weiber und Knechte umden Rocken saßen, da pochte es an das Fenster, und die Göttindes Flachsbaues und der Erde schaute herein. Den Fleißigen lobtesie, dem Faulen drohte sie, und wenn sie fort war, ward eifrigder Faden gedreht und manch fröhliche Erzählung gesponnen. Dakamen auch noch andere Besucher: der heilige Martin erschienstatt Wodans auf dem Schimmel, Bischof Nikolaus kam, Josefund Ruprecht, Maria und das Christkind, der Apostel Petrus,der Erzengel Gabriel und die drei Könige aus Mohrenland nahten.Die Jugend aber spielte alte neue Geschichte, um all diesen Be-such zu feiern. (Nach K. Weinhold,)
62. Thomas Platter.
i.
Weit hinten im Walliserlande, zwischen himmelhohenBergen, wo die wilde Visp in die Rhone mündet, ward imJahr 1499 Thomeli Platter geboren, armer Leute Kind. SeineLebensgeschichte, wie er es vorn Hirtenbüblein zum erstenRektor der Burgschule in Basel gebracht hat, und was eralles in fremden Landen erlitten, hat er uns selbst nieder-geschrieben.
Als Thomeli sechs Jahre alt war, da begann seinesLebens Mühsal: er kam als Hirtlein zu einem Verwandten,hatte da die Ziegen zu hüten und mußte sein hartes Brotsauer genug verdienen. Oft blieb er im Schnee stecken, daßer kaum herauskommen konnte, verlor die Schühlein und kam