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dieser Sprache Unterricht. Nicht genug am Studieren; erlernte nun auch noch das Seilerhandwerk, um jederzeit einenBroterwerb zu haben, der ihm vergönnte, zu andern Stundenseinen lieben Studien obzuliegen. Seildrehend, hinter sichschreitend, hatte er den Homer vor sich, und während dieHände für des Leibes Nahrung sorgten, war der Geist im frem-den Griechenland bei Agamemnon und Odysseus. Der Wochen-lohn, den der gelehrte Seiler verdiente, betrug einen Batzen.
Von Zürich hatte sich Platter Basel zugewandt, wo dieUniversität eine große Zahl kenntnisreicher Männer vereinigte.Hier endlich fing das Glück an, ihm zu blühen; seine Ausdauerwurde belohnt. Ein Gelehrter, namens Oporinus,* **) ) wolltedas Hebräische lernen; er wußte, daß der Seilergeselle dieserSprache mächtig war, und ließ ihn des Unterrichts wegen zusich kommen. Arglos machte sich Platter auf den Weg; erdachte, den berühmten Mann allein zu finden; aber siehe da,ein ganzer Saal voll Studenten harrte des Professors. Diewaren erstaunt, einen Seilergesellen in der Schürze auftretenzu sehen, und der Seiler war erstaunt, einen solchen Zuhörer-kreis zu finden. Oporinus hatte an der Kirchtüre zu St. Leon-hard die Anzeige anschlagen lassen, daß einer da wäre, derhebräischen Unterricht erteile. „Ich schempt mich in mimseilerschürzlin; doch ließ ich mich bereden.“
So ist Platter ein berühmter Mann geworden. Nichtlange nachher übertrug die Regierung von Basel dem Seiler,der nun die Schürze beiseite legen konnte, die Führung derersten Knabenschule der Stadt „auf Burg“ (beim Münster),aus der später das Gymnasium hervorgegangen ist. Sein Toderfolgte erst in hohem Alter, im Jahr 1582. (R. Kelterborn.)
II.
Thomas Platter bewohnte das Haus „zum Gejägd“ ander obern Freienstraße. In Gundoldingen besaß er schonum 1550 ein Landgut, das „Schlößchen“, und betrieb dort die
*) Lateinische Übersetzung des deutschen Namens „Herbster".
**) Vielleicht das heutige „Mittlere Gundeldingen“, Eigentum des Spitals.