Band 
Dritter Teil.
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Hunger zu stillen. Von Lernen und Schulbesuch war dawenig die Rede. Vetter Paulus war bei der Armut, die sielitten, oft so unwirsch und unbarmherzig gegen Thomas, daßdieser ihm endlich davonlief, und nun war das Walliserbüb-lein mitten im Bayerlande allein, mutterseelenallein. Da saßer eines Abends an der Isar und weinte vor sich hin; nie-mand half ihm, niemand riet ihm. „Ich hatt,’ keine sehn,zerrissene Strimpfli, kein barett, ein jupplin ohne fält.“ Ver-zweifelnd wandte er sich wieder der Schweiz zu. „Do ichetliche schwitzer pürlin in wissen jüpplinen gsach, ach minGott, wie war ich so froh! ich meint, ich weri im himmelrich.“

Endlich, als der Knabe bereits zum achtzehnjährigenJüngling herangewachsen war, da begann ein regelmäßigeresLeben, ein ernsterer Anfang der Studien bei Meister JohannesSapidusin Schlettstadt. Unter den kleinen Schulknaben warder nunmehr großgewachsene Walliser wie „eine gluggerinunter den hünnlinen.“ Man nannte ihn nach damaliger SitteThomas Platterus. Die lateinische Sprache war es haupt-sächlich, die da gelernt wurde; Lesen und Schreiben, womites noch nicht gut ging, mußten gleichzeitig eifrig geübt werden.

Um dieselbe Zeit war in Deutschland und in der Schweizdie große Bewegung der Reformation; auch der junge Platterwar berufen, sein Scherflein dazu beizutragen. Vorerst ent-sagte er der Gottesgelahrtheit; er strebte nach Kenntnissenin den alten Sprachen, um vielleicht selbst einmal Lehrerwerden zu können. Mit Feuereifer machte er sich in Zürich,wohin er übersiedelte, an die Studien; „ich macht mir einsitz in ein winkelt nit wit von des Schulmeisters stull undgedacht: in dem winket wilt studieren oder sterben.“

Wie ehemals bei dem Seifensieder in München, so suchtePlatter auch jetzt statt des Bettels seinen Lebensunterhaltehrlich zu verdienen: er trug Holz und tat Botendienste, umein paar Heller Lohn zu erhalten.

Um die letzte Goldkrone aus der väterlichen Erbschafterwarb er sich eine hebräische Bibel und gab nun auch in