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besuchen will, muß das im Juni tun, wo es am allerschönsten ist;denn der Juni ist der schwedische Mai. Der Mai selbst ist fastimmer kühl und bringt nicht selten noch Kälte und Schauer kör-nigen Eises. Der Juni aber schließt den Schoß der Erde auf.Dann blühen die Bäume, dann grüßen aus den Gärten Fliederund Maiblumen. Dann stellt sich aber auch ein Reiz ein, den wirbei uns gar nicht kennen, die langen Tage, oder richtiger, dielichterfüllten Nächte mit ihrem rosigen Dämmerschein. Im Junigeht in Stockholm die Sonne erst gegen 10 Uhr abends unter,und da sie schon nach vier bis fünf Stunden wieder zum Vorscheinkommt, so versinkt sie nicht tief unter den Horizont, sondern sendet,obgleich der Sonnenball dem Auge bereits entschwunden ist, einMeer rötlichen Lichts in den blauen Himmel hinauf. Um Mitter-nacht durch die Straßen Stockholms zu gehen, hat dann eineneigentümlichen Reiz. Gewöhnlich schweigt der Wind, überall isttiefe Ruhe. Aller Lärm des Tages ist verstummt. Die vielentausend Menschen schlafen in den blaßgrauen Häusern, in denenes eigentlich gar nicht Nacht geworden ist; denn zu allen Fensternbricht der mitternächtige Glanz herein. Im Hasen liegen dieSchiffe lautlos; aber ihre Mäste und hie und da ein Segel sindwie in rötliches Licht getaucht. Die Kirchen glänzen, als spiele dieSonne Versteckens mit ihren goldenen Kreuzen und Kuppeln. DerMälarsee aber wiegt sich funkelnd zwischen seinen Felsenufern.— Und der Winter in Stockholm! O, das ist ein grimmiger Gast,und Menschen und Wohnungen müssen darauf bedacht sein, ihnzu bestehen. Er zieht gewöhnlich schon im Oktober ein mit Eisund Schnee und währt bis in die Mitte des April. Im Freienläßt's sich dann nicht mehr aushalten, selbst kleine Ausflüge könnenselten gemacht werden, es sei denn eine rasche Fahrt über diegefrorene Fläche des Mälars und des Hafens. Der Mälar istden größten Teil des Winters über zugefroren. Nur an einerStelle ziert ihn nie des Eises kristallene Decke, nämlich dort, woder Abfluß des Sees sich in die Ostsee ergießt. Das Wasser schießtda mit solcher Macht dahin, daß kein Schiff die Stelle passierenkann und Tausende von Wassertropfen hoch aufstäuben. Diese