191
Haus, nie ein Segel, das die blaue Flut belebt. Vergebenswartet man auf den Gesang der Vogel; die Natur ist hierimmer schweigsam, selbst das geschwätzige Murmeln derQuellen fehlt oder verklingt ungehört in der unermeßlichenWaldwüste. Doch hat auch der schwedische Wald eine Er-scheinung, die diese düstere Natur verklärt und verschönt,und das ist nichts weiter als eine bescheidene Blume. Esist das einfache Weidenröschen mit seinen roten leuchten-den Blumen. Wohin man auch blickt, überall leuchtet die roteBlüte entgegen. Sie ist dem Schweden der Vertreter derganzen Blumenwelt; er ehrt sie hoch, indem er sie einfach„die Blume“ nennt.
In diese stille, starre, scheinbar unbezwingliche Naturist nun der Mensch getreten und hat sich ein Heim geschaffen.Zuerst hat er sich da angesiedelt, wo der Wald ein „lund“,kein „skog“ war. Aber er hat sich dann auch mitten indem unheimlichen „skog“ niedergelassen und als Pionier derKultur den Unhold angegriffen. Noch jetzt lassen sich Hundertevon Ansiedlern in den einsamen Wäldern nieder und dringenimmer weiter vor, den Wald schrittweise bezwingend, ihn rodendund der Kultur öffnend. Die Bäume werden gefällt, oderdas Feuer verzehrt sie, die dicke Pflanzendecke wird mit demSpaten abgestochen, getrocknet und angezündet. Dann erstfolgt die schwerste Arbeit: es ist die Felswand auszuroden.Hier genügt nicht mehr Spaten und Axt; Sprengungen durchPulver sind erforderlich und unsägliche, jahrelange Arbeit,bis endlich das Getrümmer entfernt, der Boden gereinigt undeine Ackerkrume geschaffen ist, worein die Saat gestreutwerden kann. (Paul Buchholz.)
101. Stockholm.
Stockholm ist das Venedig des Nordens. Doch hat esvor Venedig noch den Vorzug, daß es nicht auf Pfählen, sondernauf felsigem Grunde errichtet ist und nicht von sumpfigen Kanälen,sondern von frischer, klarer Flut durchströmt wird. Wer Stockholm