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Vorschein, wenn sie auch etwas auf sich warten läßt. In jenenGegenden jedoch hat sie auf lange Zeit Abschied genommen, unddie Kerzen am Weihnachtsbaum können des Mittags um 12 Uhrangezündet werden, und wer will, kann des Morgens um 6 Uhrzu Bette gehen und des Abends um 6 Uhr aufstehen: es ist alleseinerlei. Finster ist und bleibt es, so daß mancher zuletzt garnicht mehr wissen mag, ob es denn eigentlich Tages- oder Nacht-zeit ist. Gewiß würden'manchem von uns die Tränen in dieAugen treten, sollte er die Sonne auf mehrere Monate scheidensehen. Dem Bewohner des Nordens ist dies auch nicht angenehm,und sicherlich ist große Freude, wenn die Lampe wieder ausgelöschtwerden kann. Alt und jung steht gewiß erwartungsvoll da undschaut nach der Gegend am Himmel, wo das feierliche Morgenrotdas Herannahen der lang ersehnten Sonne verkündet.
So wird der Winter im hohen Norden von einer mehrereMonate langen Nacht begleitet, wogegen der Sommer durch ebenso-lange Gegenwart der Sonne entschädigt. So gut es aber auchdann die Sonne meint, ein Sommer in unserem schweizerischenVaterlande ist doch besser als ein Sommer im Norden vonSchweden und Norwegen. Zwar überziehen sich in kurzer Zeitdie Täler mit einem saftigen, vollen Grün; auch fehlt es nichtan Blüten mancherlei Art, und die Wärme steigert sich mit jederStunde, da die abkühlende Nacht nicht eintritt; — aber an Kirschenund Birnen ist nicht zu denken, ja nicht einmal an Kartoffeln,und Brot aus Roggen gilt als Delikatesse. Wer dort wohnt, derbekommt keinen andern Baum zu sehen, als die Tanne oder dieBirke, und wer aus unserem Vaterlande dorthin ziehen will, dernehme nur Abschied von den Buchenwäldern und Obstbäumen,von der Weinrebe und den Weizenfeldern. Anfangs begleiten ihnzwar noch alte Bekannte, nämlich Apfelbäume, Birnbäume, Buchenund Eichen; aber je weiter er reist, desto mehr bleibt ein Baumnach dem andern zurück, bis er zuletzt nur noch die düstere Tanneund die zierliche Birke neben sich schaut. Aber ehe er sich's ver-sieht, sind diese zu Zwergen zusammengeschrumpft, die kauerndhinter Klippen und Schluchten Schutz suchen.