Band 
Dritter Teil.
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den ganzen Vorgang erfaßt. Das Kind hatte sich gelangweilt undzuletzt trotz des strengen Verbotes das Bauer aufgemacht. Alleines hatte nicht bemerkt, daß das Fenster offen stand, und ehe essich's versah, flog der Vogel durch dasselbe hinaus und freute sichder goldenen Freiheit. Da ich wohl weiß, wie sehr es Papa be-trüben wird, seine liebe graue Nachtigall nicht mehr singen zuhören, und welche strengen Strafen voraussichtlich die Folge diesesUngehorsams sein werden, wage ich kaum mit meiner Bitte heraus-zurücken. Aber die Reue bei der Kleinen ist so groß, und Tagund Nacht hat das arme Kind nur noch seine Missetat vor Augen,daß ich nicht anders kann. Letzthin brachte es seine Sparbüchseund wollte aus dem wenigen, mühsam gesammelten Geld desPapas kleinen Liebling ersetzen. — Ein großer Teil der Schuldfällt ja auch auf mich selbst zurück. Hätte ich der alten Trinegeboten, aus das Kind zu achten, oder hätte ich überhaupt dieEinladung abgelehnt, so wäre alles das ausgeblieben, und wirkönnten leichten Herzens Eurer Rückkehr entgegensehen. Darum,teure Eltern, verzeiht doch dieses Mal das Geschehene; gewißwerden wir beide uns anstrengen, Euch immer mehr Freude undweniger Kummer zu bereiten und durch unbedingten Gehorsam dieschwere Schuld wieder gut zu machen.

Lebt wohl und empfanget viele herzliche Grüße von

Euren reuigen Kindern

Olga und Frida.

(I. Blaser.)

112. Anfrage wegen einer Lehrmädchenstellebei einer Schneiderin.

An

Zofingen, den 9. März 1906.

Fräulein C. Müller, Schneiderin,Geehrtes Fräulein!

Aarau.

Es dauert nur noch wenige Wochen, so werde ich ausder Schule entlassen sein. Nun habe ich dem „Aargauer