325
Er ganz allein mit mir, der auch allein war,
Bloß Mensch zu Mensch, und neben uns der Abgrund.
Und als der Herre mein ansichtig wardUnd mich erkannte, den er kurz zuvorUm kleiner Ursach’ willen schwer gebüßt,
Und sah mich mit dem stattlichen GewehrDaher geschritten kommen, da verblaßt’ er,
Die Knie versagten ihm, ich sah es kommen,
Daß er jetzt an die Felswand würde sinken.
— Da jammerte mich sein; ich trat zu ihmBescheidentlich und sprach: „Ich hin’s, Herr Landvogt.“
Er aber konnte keinen armen Laut
Aus seinem Munde geben; — mit der Hand nur
Winkt’ er mir schweigend, meines Wegs zu gehn.
Da ging ich fort und sandt’ ihm sein Gefolge.
Hedwig. Er hat vor dir gezittert. — Wehe dir!
Daß du ihn schwach gesehn, vergibt er nie.
Teil. Drum meid’ ich ihn, und er wird mich nicht suchen.Hedwig. Bleib heute nur dort weg! Geh lieber jagen!Teil. Was fällt dir ein?
Hedwig. Mich ängstigt’s. Bleibe weg!Teil. Wie kannst du dich so ohne Ursach’ quälen?Hedwig. Weil’s keine Ursach’ hat — Teil, bleibe hier!Teil. Ich hab’s versprochen, liebes Weib, zu kommen.Hedwig. Mußt du, so geh, nur lasse mir den Knaben!Waller. Nein, Mütterchen, ich gehe mit dem Vater.Hedwig. Wälti, verlassen willst du deine Mutter?
Waller. Ich bring’ dir auch was Hübsches mit vorn Ähni.
(Geht mit dem Vater.)
Wilhelm. Mutter, ich bleibe bei dir.
Hedwig (umarmt ihn). Ja, du bistMein liebes Kind, du bleibst mir noch allein!
(Sie geht an das Hoftor und folgt den Abgehenden lange mit den Augen.)
(Fr. Schiller.)