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könne. Herder nahm das Buch und las auf der aufgeschlagenenSeite Satz für Satz lateinisch und fügte die Übersetzung sogleichin geläufigster Weife hinzu.
„Lassen Sie es gut sein!" sagte Schwarzerloh, nachdem ereinige Zeit mit freudiger Miene zugehört hatte. „Sie, jungerFreund, kennen mehr Latein als ich. Nun hören Sie mich an,denn ich beabsichtige, Ihnen ein Anerbieten zu machen: gehen Siewit mir nach Königsberg, und übersetzen Sie mir dort ein größereslateinisches Werk. Für Ihren Unterhalt sorge ich, wie ich auchdie Pflicht übernehme, aus Ihnen einen Arzt zu machen."
Herder war wie vom Blitz gerührt. „Lieber Herr," spracher nach einer Pause, „Sie scheinen mir ein zu ehrenwerter Mannzu sein, als daß ich denken sollte, Sie trieben Scherz...."
„Bei Gott, es ist mir voller Ernst!" sagte Schwarzerloh.„Sie sind ein wackerer und geschickter junger Mann, dessen Kennt-nisse ich gebrauchen, dem ich aber auch für sein Fortkommennützlich sein will. Hier haben Sie meine Hand, daß ich esredlich meine!"
Herder schlug ein. Tränen traten ihm ins Auge, indem ersprach: „Möge Gott Ihre Tat einst vergelten!"^ Herd. Schmidt.)
33. Johann Christoph Friedrich Schiller.
(Geboren den 10. November 1759, gestorben den 9. Mai 1805.)
I.
Versetzen wir uns hinüber ins liebliche Schwabenland. Etwasnördlich von der Hauptstadt Stuttgart liegt an einer Neckarschlingedas Städtchen Marbach. Dort waltete im Jahre 1760 des Löwen-wirts Tochter, Frau Schiller, liebevoll mit Christinchen und demnoch kleinern Fritzle. Herzensgut wie die Mutter waren dieKinder. Alles wollten sie an arme Kameraden verschenken, Kleider,Bettstücke, Bücher, und so aufrichtig liebten sie einander, daß oftChristinchen freiwillig die Strafe für Fritzle trug.
Der Vater, früh verwaister Bäckerssohn, hatte sich zunächstals Wundarzt und Coiffeur redlich durchgeschlagen und war dann,