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ten, aber die Luft gründlich reinigten. Das hohe Lied der Freund-schaft war „die Bürgschaft". „Die Treue, sie ist kein leererWahn!" Das hatten außer Goethe durch ihre Opfer bewiesenAndreas Streicher, Frau von Wolzogen, Hölzel, Körner, dieDänen, und Schiller selbst war allen Freunden treu bis zum Tod.Vor allen aber unterstützte und umfaßte er mit ganzer LiebeMutter und Schwester (der Vater war gestorben), hielt die Eheheilig und sorgte aufs treuste für seine Kinder. Er übte selberdie Tugend, die seine Werke verherrlichen, und bewies, daß sienicht ein leerer Schall ist.
Einzig in seiner Art, ragt aus den kleinern Werken herausdas Lied von der Glocke. Mit dem Glockengüsse wird darinwunderbar klar und tief' das Leben des einzelnen Menschen wieder ganzen Gemeinde dargestellt, und schließlich werden die ent-setzlichen Auswüchse der Revolution scharf verurteilt. Doch istder Schöpfer der „Räuber" ins Extrem verfallen, wenn er aus-uft: „Wenn sich die Völker selbst befrein, da kann die Wohlfahrtnicht gedeih»."
Das Lied von der Glocke ist gleichsam ein Markstein, der dievorhergehenden von den folgenden Werken trennt. Wie das Metallerst durchs Feuer geschmelzt und geläutert werden muß, bevordie Glocke ihren reinen und kräftigen Ton von sich gebenkann, so entströmen dem Dichter die vollkommensten Schöpfungenerst, nachdem Leiden und Sorgen, gute und böse Erfahrungenseinen Sinn gereinigt, gefestigt und gemildert haben.
Zunächst wurde der grandiose „Wallenstein" vollendet, dann„Maria Stuart", darstellend den Kampf auf Leben und Todzwischen den beiden Königinnen. Der Dichter nimmt Partei fürMaria und zeigt durch seine Darstellung wie übrigens auch inandern Dichtungen z. B. in „der Graf von Habsburg", „derGang zum Eisenhammer", sowie durch sein Leben, was wahreToleranz ist, indem er, der Protestant und Freidenker, nicht dieÜberzeugung, die andern heilig ist, verletzt, sondern hochachtet.
Indessen wurde Napoleon immer drohender. Statt nunaber mit vereinter Kraft den Feind zu bekämpfen, sonderte sich