der Norden Deutschlands in eigennütziger Neutralität vom Südenab. Darüber empört wie alle Patrioten, erhob Schiller mächtigseine Stimme fürs Vaterland in der „Jungfrau vonOrleans" (1801). Die Vaterlandsliebe gibt dem französischenHirtenmädchen wunderbare Kraft; an der Spitze der Landsleuteschlägt es die Engländer. Das deutsche Volk verstand seinenDichter und ehrte ihn hoch, z. B. durch die Ovation in Leipzig.
Doch immer trüber wurde die Zeit. Wieder ertönte einWeckruf: „Die Braut von Messina", worin zwei Brüder an Zwie-tracht zugrunde gehen, mahnt die zankenden Völker Deutsch-lands zur Einigkeit.
Aber in schmählichen Verhandlungen lieferten sich die Regentenimmer mehr dem Ersten Konsul aus. Napoleon wurde zum blutigenTyrannen und errichtete auf der zertretenen Freiheit den Kaiser-thron. Alles zitterte. Da stellte wiederum der mutvolle Dichterseinen Mann. Noch einmal, zum letztenmal, aber auch amgewaltigsten erschallt im unsterblichen „Tell" seine Mahnung zuentschlossener, voller Hingabe an Freiheit und Vaterland. Alsleuchtende Vorbilder preist er seinen Landsleuten die tatkräftigenUrschweizer, die das Tyrannenjoch zwar abgeworfen, ihre Freiheitaber nicht wie die Franzosen durch blutige Frevel entweiht haben:
„Wenn ein Volk, das fromm die Herden weidet.
Sich selbst genug, nicht fremdes Gut begehrt.
Den Zwang abwirft, den es unwürdig leidet,
Doch selbst im Zorn die Menschlichkeit noch ehrt.
Im Glücke selbst, im Siege sich bescheidet,
Das ist unsterblich, ist des Liedes wert."
Der Dichter ruft mit dem „Tell" den Deutschen zu: „Erhebteuch, helft euch selber wie die Schweizer! Seid Männer wie Baum-garten, Tell, Melchtall Laßt euch von der Freiheitsliebe durch-flammen wie die Männer im Rütli! Aber befleckt die heiligeSache des Vaterlandes nicht mit Unrecht, schnöder Gewalttat undunschuldigem Blut! Beugt euch mitten im Kampf vor der Maje-stät des ewigen Sittengesetzes!"
Mit Begeisterung wurde der „Tell" aufgenommen (1804).Aber die zerrissenen Völkerschaften waren noch nicht reif, ihn voll-***** 11