Band 
Fünfter Teil.
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3. Es war ein schöner Frühlingsmorgen (des Jahres 1840), alsdie vier Schüler miteinander durch den Wald darniederzogen nachBückten. Knaben aus dem ganzen Bezirk hatten sich im Hof derBezirksschule eingefunden und beobachteten sich gegenseitig, bis derOberlehrer sie alle in den Saal hineinrief. Sie wurden nach derGrösse gesetzt und Martin Glieder war der letzte.-—

Die Bezirksschule war Martins zweite Heimat. Früh amMorgen machte die Mutter den Kaffee, gab dem Sohne für denTag ein Stück Brot und ein Krüglein voll Milch, oder Apfel undBrot, oft auch bloß eine Anzahl gebratener Kartoffeln, die er dannin Bückten verstohlen am Brunnen aß. Nie während all der Jahreseines Schulbesuches konnte er sich im Wirtshaus eine Suppe kaufen;auch als er das Geld in der Tasche trug, war die Verwendungdesselben gewöhnlich schon zum voraus bestimmt. — Mit den Klei-dern stand es schlimm. ,Eine blaue Bluse mußte im Sommer dieBlöße decken und im Winter Wind und Kälte abhalten. Unter-kleider waren keine vorhanden, Strümpfe nur mitten im Winter;die Schuhe trug er in der guten Jahreszeit auf dem im ganzenzweiundeinhalbstündigen Schulweg in den Händen oder auf denSchulsack gebunden, um sie zu schonen. — Im Winter versank eroft bis unter die Arme in den Schneewehen; bei Regen sprang ervon Baum zu Baum, von Heuhäuschen zu Heuhäuschen. Das Ver-harren in nassen Kleidern den ganzen Tag über mußte die an sichgesunde Bewegung des Schulgangs doch auch als nachteilig er-scheinen lassen; aber es fiel dem Schüler gar nie ein, die Sachenur anders sich zu wünschen. Er sah nämlich, daß die Elterndamit ihr Äußerstes taten, indem sie ihn der häuslichen Arbeitentließen und notdürftig unterhielten, und er suchte darum schonfrüh nach jeder Gelegenheit, sich etwas zu verdienen.

Nach und nach bildete sich der regelmäßige Schulweg zum eigent-lichen Botengange aus; er hatte des Tages bis zwanzig Kommis-sionen. Ganze Lasten von Kaffee, Kleiderstoff, Eisenwaren schleppteer täglich hinauf; denn Rünenberg hatte keinen Krämer, keinenSchmied, Spengler, Glaser, Schlosser, Schneider noch Kübler. Alles,was Rünenberg nicht hatte und Gelterkinden hatte, mußte er ver-