Band 
Fünfter Teil.
Seite
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den Franzosen zerstört wurde. Geringere Veranlassungen zumPflanzen von Linden kommen fast in jeder Stadt vor. Auf denDörfern werden noch immer Erinnerungslinden gepflanzt, währenddie Städte nach Denkmälern von Erz und Stein trachten.

Endlich ist die Linde der Baum der Freude und Jugend-lust und der Baum des Todes. Um die Dorflinde tanzt dieJugend, und die Linde beschattet den Friedhof und umgibt dieKirche. Noch jetzt finden Mai-, Pfingst- und Kirmestänze inDeutschland unter der Linde statt. Der Baum ist dann meistmit Steinen umgeben, und oft find die ausgestreckten Äste mitSäulen unterstützt und diese wieder durch Gebälk verbunden, sodaß eine Art Gebäude entsteht, das bei schlechtem Wetter ge-deckt werden kann. Solche Dorflinden sind nicht immer stolzeBäume mit schönen Kronen, sondern viel häufiger verstümmelt,so daß sie eigentlich nur eine Art Laube bilden und die oftgeköpften Aste endlich die Gestalt eines vielköpfigen Ungeheuersbekommen.

Die Linde ist erhaben und lieblich zugleich, erhaben undedel durch ihren riesigen Wuchs, während ihre äußere Blüte stetsden Eindruck der weiblichen Anmut macht. Schon der NameLinde deutet auf Weichheit und Anmut. Lind bedeutet weich,mild, lieblich und angenehm. Lind ist ihr Blatt, lind ihre reizendeBlüte, lind ihre Sprache im Winde, jenes liebliche Flüstern,das durch die langgestielten, leicht beweglichen, keinen Wider-stand bietenden weichen Blätter und noch in höherem Maße durchdie den Blütenstiel zierenden Blattflügel hervorgebracht wird.')

(Hermann Jäger.)

*) Die Geschichte des Wortes ist noch unklar. Stach Fr. Kluge, Etymo-logisches Wörterbuch der deutschen Sprache, ist Linde vielleicht verwandt mitlateinischem lentus, biegsam, geschmeidig, von der Verwendung des Linden-bastes zu Stricken; dialektisch bezeichnet „Lind" heute auch „Bast". In deraltgermanischen Kriegssprache bedeutete linta auch „Schild", eigentlich „Linden-schild" (aus dem Bast der Linde geflochten?). Bedenkt man aber den Wandelder Bedeutung von Baumnamen — vgl. bei Kluge Buche, Eiche, Tanne — f°könnte an Beziehung zu griech. elate (aus lanta), „Fichte, Weißtanne", oder zulitauisch lautn „Brett" gedacht werden.