haben!" Und die Ceder sprach: „Rechtet mit dem, der michwachsen ließ!"
Und um die Ceder stunden Sträucher. Da nun die Männerkamen vvm Meer und die Axt ihr an die Wurzel legten, da erhubsich ein Frohlocken: „Also strafet der Herr die Stolzen, alsodemütigt er die Gewaltigen!"
Und sie stürzte und zerschmetterte die Frohlocker, die verzetteltwurden unter dem Reisig.
Und sie stürzte und rief: „Ich habe gestanden, und ich werdestehen!" Und die Männer richteten sie auf zum Mäste im Schiffedes Königs, und die Segel wehten von ihm her und brachten dieSchätze aus Ophir in des Königs Kammer. (Joh. äöolfa. Goethe.)
66. Der Sonntag.
Der Sonntag Nachmittag hat eine gar eigentümliche Be-deutung. Er ist ein Meilenzeiger auf unserer Pilgerstraße; er istaber auch eine Geistesprobe für unser Inwendiges. Junge Beinelaufen Spiel und Freuden nach; zum Verstände gekommene Beinegehen allerlei nützliche Gänge; alte Beine ruhen gern auf warmemOfentritt oder einem sonnigen Bänklein. Lebhafte Gemüter müssendie Beine tragen zu Lust und Tanz; andere pflegen den faulenLeib: andere tragen ihn umher zu allerlei Erwerb; andere ver-bringen ihn in ungeheurer Langweile, das sind die öden Seelen,die aller geistigen Speise entwöhnt, den höhern Gefühlen abge-storben sind, die für nichts mehr Gefühl haben als für das Werk-tagstreiben, das Geklatsch des Tages, einen guten Schoppen undeine appetitliche Bratwurst. Andere gibt's denn doch auch, dieihn feiern, indem sie dem Wehen des Geistes die Seele öffnen,Gott schauen in seinen Werken, in seinen Worten ihre vergangenenTage schauen und das Walten Gottes in denselben, Hinausschauenin die kommenden Tage, prüfen ihre Stellung, sich stärken, gottes-fürchtig zu bleiben für und für. So hatte es Käthi; sie ruhtegern am Sonntage in stillem Sinnen, freute sich der schönenStunden, wo sie, ungestört von der Welt, nachdenken konnte über