der zweiten ein Halsband und die der dritten Halsband und Fuß-eisen, sowie eine Kette. Außerdem waren die Angehörigen derbeiden letzten Klassen an ihrem mit den Buchstaben S. W. ge-zeichneten Kittel erkenntlich. Am Abend wurden die Männer zeit-weise mit Farbholzschneiden und die Weiber mit Spinnen beschäftigt.
Schonend ist also die väterliche Regierung von Basel mit solchenLeuten nicht verfahren, so wenig als dies an andern Orten derFall war. Da hatte man Pranger, Folter, Schwert, Galgen unddie Galeeren. „Schuldige" Landleute wurden am Strick in die Stadtgeführt. Aus dem Lande stellte man sie vor die Kirchtüren, trommeltesie in den Dörfern herum und ließ sie auch nach der Begnadigungden „Lasterstecken" tragen, um die Verachteten noch mehr der Ver-achtung preiszugeben. War es da zu verwundern, daß der Unter-drückte suchte, diese Zwangsjacke abzuwerfen?
Andere Zeiten sind gekommen. Der frühere Unterschied vonHerren und Leibeigenen, Privilegierten und Rechtlosen hat auf-gehört. Roch besteht der von reich und arm und wird bis zumEnde der Tage bestehen bleiben; doch eine weise Gesetzgebungwird sich bestreben, die große Kluft zu überbrücken und das ar-beitende Volk zu heben. Daneben ist jetzt schon jedem Kind durchFleiß und eifrige Arbeit in der Schule das Mittel in die Handgelegt, sich der Not und Armut zu entziehen. Bei allem Ringennach einer bessern Lebensstellung vergesse man aber die großeWahrheit nicht, daß Glück und Zufriedenheit nicht an zeitlichesGut gebunden, sondern in einem reinen, idealen und pflichterfülltenHerzen zu finden ist. Schwingen wir uns zu dieser hohen Wartehinauf, und ein großer Teil der „sozialen Frage" ist gelöst.
(Dr. Ludwig Freivogel.) jjp
65. Salomos giild'ne Worte vou der Ceder.
Eine Ceder wuchs auf zwischen Tannen; sie teilten mit ihrRegen und Sonnenschein. Und sie wuchs über ihre Häupter undschaute weit ins Tal umher. Da riefen die Tannen: „Ist dasder Dank, daß du dich nun überhebest, dich, die wir genährt