Band 
Fünfter Teil.
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von Wahrheitsliebe und andern Tugenden, sich über die äußernFormen der Höflichkeit hinwegsetzt, immerhin größere Achtungverdient als eine andere, die in höflichster Form lügt.

Das Wort „höflich" hat folgenden Ursprung: Zu der Zeit,da bei den germanischen Völkern das Rittertum blühte, war dieArt der Erziehung der diesem Stande Angehörenden ganz ver-schieden von der kirchlichen, die besonders von den Klöstern ausgeübtwurde. Die Schule, die der Ritter durchzumachen hatte, dauerte inder Regel bis zum 21. Jahre; diese ganze Zeit war dem Lernenund dem Dienen gewidmet. Sein Wissen sollte die sieben freienKünste umfassen: Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Musik, Arith-metik, Geometrie, Astronomie, denen für die ritterliche Erziehungdie sogenannten sieben nobeln Passionen hinzugefügt wurden: Reiten,Schwimmen, Pfeilschießen, Fechten, Jagen, Schachspielen undVersemachen.

Schon vom siebten Jahre an wurde der Knabe aus demelterlichen Hause weg an den fremden Hof eines Fürsten oder Rittersgegeben, um dort gemeinsam mit andern Knaben zu dienenund höfische Sitten zu lernen, letzteres namentlich in der Näheder Edelfrau, deren Dienst der Knabe bis zum vierzehntenJahre zu verrichten hatte. Er bestand in der Bedienung beiTische, Vollziehen von Aufträgen und Befehlen, Begleitung aufReisen und Spaziergängen und auf der Jagd, Ausführung vonBotendiensten. Der Unterricht in Tugend und Sitte beruhte aufdem guten Beispiel. Und wenn nun der junge Knappe im vier-zehnten Jahre aus dem Dienste der Edelfrau in den des Rittersoder Fürsten übertrat, so hatte er Dinge zu erlernen und zu er-füllen, die vielen unter euch wohl angenehmer wären, als washeutzutage von euch verlangt wird.

Denn als Knappe erlernte er alle Jagdkünste: Vögel undHunde abrichten, den Hirsch jagen, das Hifthorn blasen; er nahmteil an Turnieren, lernte unerschütterlich im Sattel sitzen, dieLanze einlegen, zielen und treffen. Er trug ein Schwert, warWaffenträger des Ritters, sorgte für den Glanz der Rüstungen undder Waffen und begleitete den Herrn auf die Jagd, zum Turnier, in