Band 
Fünfter Teil.
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den Krieg. In euerm Geiste steigt das Bild vom Roland Schild-träger auf. So ausgerüstet hatte der Jüngling eine höfischeErziehung, und die Ausübung dieser guten Sitte war Höflichkeit.

Von alledem ist wenig mehr geblieben als der Name; einesaber doch, nämlich daß der Grund zur Höflichkeit gelegt wirdzu Hause, bei der Mutter, die ihren eigenen Kindern gegenüberdie Rolle der Edelfrau übernimmt; im übrigen haben sich dieAnsprüche an die Höflichkeit nicht erweitert, aber vertieft. Der Nameist aus dem ritterlichen Leben in das bürgerliche übergegangen, unddie Sache selbst hat das ritterliche Gewand abgelegt. Doch darfman nicht denken, daß erst die Ritterzeit das Bedürfnis nachHöflichkeit erzeugt habe. Auch die heilige Schrift enthält imPrediger und bei Sirach manche Sprüche, die Lehren der Höflich-keit und des Anstandes aussprechen. Und nach dem gänzlichenZerfall des Rittertums haben selbst große Männer nicht verschmäht,Höflichkeit zu lehren, so z. B. Erasmus, der 1530 eine Schriftherausgegeben hat über höfliche Sitten der Jugend.

Auch unsere Zeit entbehrt solcher Schriften nicht. Aller-dings wird dadurch nicht eben viel erreicht. Wohl kann maneinige Regeln des Anstandes, oder vielmehr dessen, was zufälligda und dort und eben jetzt als anständig gilt, aus ihnen lernen,ja man kann gewisse Dinge, die als anständig gelten, sich ange-wöhnen, anerziehen und so einen äußern Schliff erwerben; abermit den Äußerlichkeiten ist es eben nicht getan: die wahre, unver-fälschte Höflichkeit geht nicht in Anstandsregeln auf; sie hat ihrenSitz tiefer, sie hat sittlichen Wert. Damit aber dies eintrete,muß sie erfüllt sein vom Geiste des Wohlwollens, der Ehrerbietung,der Bescheidenheit; je mehr diese Tugenden, gepaart mit Aufrichtig-keit, vorhanden sind, um so freier werden die Äußerungen derHöflichkeit sich gestalten: die Höflichkeit wird zu einem sitt-lichen Besitze des Knaben.

Sie begleitet ihn im Hause und regelt sein Verhalten gegenüberden Eltern, Geschwistern und andern Hausgenossen, indem sie ihnlehrt, sich in allen Dingen zu bescheiden, auf das Wort der Elternohne Widerrede zu hören und sich mit allen zu vertragen; sie