Band 
Fünfter Teil.
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lehrt ihn freundlichen Verkehr und wohlwollenden Umgang mitSpielgenossen, verhindert alles vordringliche Wesen; sie folgt ihmin die größere Familie, die Schule, und trägt dazu bei, das freund-liche Verhältnis von Lehrer und Schüler zu erhalten und unterden Kameraden einen friedfertigen Ton zu pflegen, einen gutenTon, der auf jeden einzelnen bildend und fördernd einwirkt; siehört auch nicht auf sich zu äußern, wenn die Handlungen nichtmehr bewacht sind, und wenn die Gefahr einer Strafe vorbei ist.Diesem oder jenem erscheint sie bisweilen etwas unbequem, dennsie wirkt einschränkend, mäßigend, während die Jugend gern undoft dem Maßlosen zustrebt. Dieser tief innerlich begründeten,selbständigen und der Jugend zur andern Natur werden-den Höflichkeit steuert die Erziehung zu. Aber wie wirddas Ziel erreicht?

Die Beantwortung dieser Frage führt uns, wie schon gesagt,in das Elternhaus, und hier ist es hauptsächlich die Mutter, dieEdelfrau, die den ersten Keim pflanzt; denn beim Manne erscheintdie Höflichkeit eher als ein Erziehungsresultat, bei der Frau alsnatürliche Anlage. Wenn ich bei einem Knaben das sichere Gefühlfür das Schickliche erkenne, so bin ich gewohnt, dahinter eine guteMutter zu sehen und wohl selten mit Unrecht; aber ich hüte michwohl, den umgekehrten Schluß zu ziehen, weil ich aus täglichereigener Erfahrung weiß, welche Summe von gutem Beispiel, vonErmahnung, Belehrung und Zurechtweisung an vielen spurlosvorbeigeht. Ratsam wäre es, wenn jeder Knabe bedächte, daßer durch sein Benehmen einen Lichtstrahl oder einen Schatten aufseinen häuslichen Kreis wirft.

Weiterhin verlangt die Erziehung zur Höflichkeit einen fort-währenden Schutz vor roher Umgebung und böser Gesellschaft,gegen die bei der Jugend ein tiefer Abscheu zu pflanzen ist. KeinTeil der Gesellschaft ist sicher vor Äußerungen der Unhöflichkeit,ja der Roheit. Leider begegnet uns selbst aus solchen Kreisen,in denen Erziehung zu wahrer Höflichkeit und zu einer innernVornehmheit erwartet werden sollte, oft das gerade Gegenteil:Anmaßung, Unbescheidenheit, unhöfliches Wesen, Charaktereigen-