Band 
Fünfter Teil.
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Schale berührt haben. Suchen wir den Kern! Wir haben hiereine bildliche Redensart. „Glanz" bedeutet die schöne, schimmerndeAußenseite, „Gold" den wertvollen Gehalt, den innern Wert einerSache; es bedeutet auch schätzbare Güter: Reichtum, Gesundheit,Verstand, Treue u. a. Die Anwendung des Sprichwortes ist alsomannigfaltig.

Ein prächtiges Haus, Schmuck und Kleidung, Freigebigkeit —verleiten uns leicht zu einer hohen Meinung von dem Reichtumeines Mannes. Könnten wir aber in seinen innern Haushaltblicken, so würden wir vielleicht finden, daß er nach dem Standeseines Vermögens gar nicht Ursache hätte, sich mit solchem Glänzezu umgeben. Und wenn dieses auch der Fall wäre, so fragte es sichimmer noch, ob wir Ursache hätten, den Besitzer glücklich zu preisen.Denn „nicht alles ist Gold, was gleißt, Glück nicht alles,was so heißt". Der Reichtum selbst ist wieder ohne Wert,wenn die Ruhe der Seele fehlt. Wem fällt hier nicht die schöneParabel von Krummacher ein „Der Apfel"? „Der Apfel lag aufeinem goldenen Teller und war sehr schön; der Fremdlingdurchschnitt den Apfel, und siehe, in seiner Mitte war einWurm!"

Wir können die Anwendung fortsetzen. Mancher Menschscheint ein Bild der Gesundheit zu sein, und doch leidet er aneinem schweren, unheilbaren Übel, das er zu verbergen sucht. —Glanz der Ehrenstellen erregt den Neid der Menge; aber wenndiese wüßte, welche Mühen und Sorgen das Amt mit sich bringt,so würde der Neid sich in Mitleid verwandeln. — Wer vieleWorte zu machen weiß, gilt bei Unkundigen als kenntnisreich;aber der Wortreiche hat oft in einer Stunde seinen ganzen Schatzerschöpft. — Wiederholte Versicherungen der Treue gewinnen oftVertrauen; aber wie durch den Probierstein das Gold sich bewährt,so bewährt sich die Gesinnung des Menschen erst durch die Zeit,besonders durch ein Unglück.

Nehmen wir daher zur Lebensregel: Erst untersuchen, dannurteilen! (Nach <3. W. Hopf.)