361
Steht wie ein Engel im grausigen Hunde, —
Stumm wird’s inmitten des weiten Reviers, —
Kniet und harrt der erlösenden Wunde
Von dem Gehörne des wütenden Stiers. (Karl Gerok.)
87. Sankt Fridolin.
Schwimmt ein Schifflein auf ,dem Meere,
Schwimmt heran zur fränk'schenKüste,
Fremde Segel—fremde Wimpel
Und am Steuer sitzt ein blasser
Mann im schwarzen Mönchs-gewand.
Dumps wie ein wehmütig Klagen
Klingtder Pilger fremde Sprache,
Klingt Gebet und Schifferru-fen.
's sind die alten keltischen Laute
Von Erin *), der grünen Insel,
Und das Schifflein trägt denfrommen
Glaubensboten Fridolinus.
„Laß die Klag', HerzliebeMutter,
Nicht mit Schwert und nicht mitStreitaxt
Darf der Sohn sich Ruhm er-streiten.
Andre Zeiten, andre Waffen.
Glaub' und Lieb' sind meineWehre,
Meinem Heiland treu ergeben
Muß ich zu den Heiden ziehen.Keltisch Blut treibt in die Ferne.
Und imTraumhab'ich erschauetFremdes Land und fremde Berge,Jungen Strom mit grüner Insel,War so sd)ön fast wie die Heimat.Dorthin wies des Herren Finger,Dorthin zieht nun Fridolinus."
Von dem Jura stieg herniederFridolin — er sah die TrümmerVon Augusta Rauracorum.
Fridolin sah's und bekreuzt' sich' Und schritt weiter, schritt rhein-aufwärts,
Freudig ob des jungen Stromes.Abend war's, schon manche MeileWar der fromme Mann gewan-dert.
Da erschaut' er, wie der Rhein inZweigeteiltem Lauf einherfloß.Und in grüner Flut lag grüßendVor ihm da ein kleines Eiland.Abend war's, die Lerchen sangen,Schnalzend sprang der Fisch imStrom auf,
Und in Fridolini HerzenZuckte dankbar fromme Freude.
') Irland.