Band 
Fünfter Teil.
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90. Zwei Gänse.

1. Zur weißen Gans sprach einst vertraulich eine graue:„Laß uns spazieren gehn nach jener grünen Aue,

Dort tun wir beide uns im jungen Grase gütlich,

Denn in Gesellschaft gackt es sich doch gar gemütlich.“

2. „Nein,“ sprach die weiße Gans, „da muß ich refüsieren,Mit meinesgleichen nur geh’ ich am Tag spazieren,Vertraulichkeit mit dir gereichte nur zu Schande,

Zwar bin ich eine Gans, doch eine Gans von Stande.“

(Julius Sturm.)

91. Welt

1. Gräser, sich im Winde

wiegend,

Sprossen dicht im Frühlings-feld —

Aus dem Rasenpolster liegend,Seh' ich eine ganze Welt.

2. Sehe Gassen, Brücken,

Plätze —

Eine ganze kleine Stadt,

Die mit ihrem StraßennetzeSchwerlich ihresgleichen hat.

3. Dicht bewohnt sind Haus

und Türme,

Kein Gewölbe scheint mir leer —Eifrig kribbelt das GewürmeAuf sechs Beinchen oder mehr.

4. Spinne wie ein Schiefer-

decker

Zieht in luft'ger RegionIhre Fäden immer kecker.Gleich als wär's ein Telephon.

n Kleinen.

5. Auf dem silberweißen

Garne

Turnt und klimmt sie unver-weilt,

Bis die Dolden und die FarneFest umwickelt und beseilt.

6. Zimmerleute schleppen

Latten

Für ein neuerbautes Haus,Andere mit weichen MattenTapezieren's wohnlich aus.

7. Sieh, der Biene Kiefer-

zange

Sägt aus diesem RosenblattSich ein Stück im Kreisumfange,Wie sie's g'rade nötig hat.

8. Soll als Fenstervorhang

dienen

Ihrer jungen Larvenbrut,

Bis daraus die neuen BienenWeckt die Frühlingssonnenglut.