Und wieder dröhnt und donnert die Erd’,
Und wieder vorauf das weiße Pferd.
9. Wie ein Lichtstreif durch den Nebel es blitzt,
Kein Reiter mehr im Sattel sitzt,
Das fliehende Tier, es dampft und raucht,
Sein Weiß ist tief in Rot getaucht,
10. Der Sattel blutig, blutig die Mähn’,
Ganz Schweden hat das Roß gesehn; —
Auf dem Felde von Lützen am selben TagGustav Adolf in seinem Blute lag.
(Theodor Fontäne.)
89. Die sterbende Eiche.
1. Sturmwind kam heran-
gejagt
Wild über Hügel und Heide;„Neigt euch!" rief die Erle ver-zagt,
„Beugt euch!" rief die Weide.
2. Sturmwind rast durchs
Baumgeäst',
Zweige knarren und knacken;Nur die Eiche steht trotzig fest,BeugtnichtHaupt und Nacken.—
3. Singend sein wildes Sieges-
lied
Weiter durch Wald und WieseZog der Sturm. — In Moosund RiedLag der gestürzte Riese.
4. Und die Erle zur Weide„Siehe, wir leben alle, (sprach:Und die Eiche, die starke, brach,Übermut kommt zu Falle."
5. Todwund sprach der ge-
waltige Baum:
„Will euch das Leben nicht neiden.Sterben muß ich; ich schaffeRaum
Schmiegsamen Erlen und Wei-den.
6. Wieget im Winde das
grüne Haar
über der modernden Leiche!Erlen und Weiden, ihr dauert^ich war.
Aber ich war die Eiche."
(Rudolf Baumbach i