385
Mich die Kühlung erweckte, die vor der Sonne herabfällt.
Sah ich den Rauch und die Glut und die hohlen Mauern und Essen.Da erhob ich mich eilend. Es trieb mich, die Stätte zu sehen.Wo die Wohnung gestanden, und ob sich die Hühner gerettet,
5 Die ich besonders geliebt; denn kindisch war mein Gemüt noch.Als ich nun über die Trümmer des Hauses und Hofes daher stieg,Die noch rauchten, und so die Wohnung wüst und zerstört sah,Kamst du zur andern Seite herauf und durchsuchtest die Stätte.Dir war ein Pferd in dem Stalle verschüttet; die glimmenden Balken*o Lagen darüber und Schutt, und nichts zu seh'n war vom Tiere.Also standen wir gegeneinander, bedenklich und traurig:
Denn die Wand war gefallen, die unsere Höfe geschieden.
Und du faßtest darauf mich bei der Hand an und sagtest:Lieschen, wie kommst du hierher? Geh weg! du verbrennest die Sohlen.lfJ Und du hobest mich auf und trugst mich herüber durch deinenHof weg. Da stand noch das Tor des Hauses mit seinem Gewölbe,Wie es jetzt steht; es war allein von allem geblieben.
Und du setztest mich nieder und küßtest mich, und ich verwehrt' es.Aber du sagtest daraus mit freundlich bedeutenden Worten:
'0 Siehe, das Haus liegt nieder. Bleib hier und hilf mir es bauen.Und ich helfe dagegen auch deinem Vater an seinem.
Doch ich verstand dich nicht, bis du zum Vater die MutterSchicktest und schnell das Gelübd' der fröhlichen Ehe vollbracht war.^ Darum lob' ich dich, Hermann, daß du mit reinem VertrauenAuch ein Mädchen dir denkst in diesen traurigen Zeiten,
Und es wagtest zu srei'n im Krieg und über den Trümmern.
Doch der Vater wünscht sich eine reiche, feingebildete Schwiegertochter. Er sagt:
„O, wie glücklich ist der, dem Vater und Mutter das Haus schonWohlbestellt übergeben, und der mit Gedeihen es ausziert!
Aller Anfang ist schwer, am schwersten der Anfang der Wirtschaft.^ Mancherlei Dinge bedarf der Mensch, und alles wird täglichTeurer; da seh' er sich vor, des Geldes mehr zu erwerben.
Und so hoff' ich von dir, mein Hermann, daß du mir nächstensIn das Haus die Braut mit schöner Mitgift hereinführst;
Denn ein wackerer Mann verdient ein begütertes Mädchen,
—** 25