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„Mein Mann hat Stärke“ (sprach sie) „und Kühnheit genug.Als er bei dem Berge den Lindwurm erschlug,
Da badete der Kühne sich im heißen Blut,
Daß seitdem keine Waffe ihn verletzt in Kampfeswut.
Und doch bin ich in Sorgen, wenn er im Streite stehtUnd Gerschuß auf Gerschuß aus Heldenhänden geht,
Daß ich den lieben Trauten verliere unverhofft.
Welche schwere Sorge um meinen Siegfried hatt’ ich oft!
Daß du deine Freundschaft bewähren mögst an mir,Lieber Freund, vermeld’ ich auf Treu und Glauben dir,
Wo man den Geliebten träfe todeswund.
Drum auf deine Treue mach’ ich dir es heute kund.
Als von des Drachen Wunden floß das heiße Blut,Badete darinnen der kühne Ritter gut;
Da fiel aufs Schulterblatt ihm ein Blatt der Linde breit.Da kann man ihn verletzen: drum heg’ ich Sorg’ und Traurigkeit. “
Sprach von Tronje Hagen: „Aufs Gewand ihm nähtNur ein kleines Zeichen! Dann hab’ ich leicht erspäht,
Wo ich ihn schirmen möge, stehn wir im Kampfgebraus.“Sie wähnte ihn zu retten: ihm zum Verderben schlug es aus.
Sie sprach: „Mit feiner Seide ihm näh’ ich aufs GewandEin verborgnes Kreuzehen. Mag deine HeldenhandDa meinen Mann behüten, wenn’s in die Feldschlacht gehtUnd er im Sturm des Streites stark vor seinen Feinden steht!“
„Das tu’ ich“ (sagte Hagen), „liebste Herrin mein!“
Da hoffte sie, es solle der Schutz des Helden sein:Kriemhildens edlen Gatten so der Verrat umfing.
Urlaub nahm nun Hagen, der wohlgemut von hinnen ging.
Kaum ist Siegfried ausgezogen, so kommen andere Botenmit Friedenskunde. Ungern kehrt Siegfried um; statt der Heer-fahrt soll nun im Wasgenwald eine Jagd auf Schweine, Bärenund Wisende (wilde Ochsen) gehalten werden. Weinend ohne Maß,entläßt Kriemhild den Gemahl.