gewaltig mit Brünhilden und bezwingt sie. Einen Ring, den erihr heimlich vom Finger gezogen, und den Gürtel nimmt er mitsich hinweg.
Brünhild glaubt, Günther habe sie bezwungen, und lehnt sichnun nicht mehr gegen den König auf. Bald hernach führt Sieg- 'stieb Kriemhilden in seine Heimat nach Santen, wo sein Vaterihm die Krone abtritt. Zehn Jahre vergehen, und stets denktBrünhild, warum Siegfried von seinem Lande keinen Lehendienstleiste. Sie beredet Günthern, den Freund und die Schwester zueinem großen Fest auf nächste Sonnenwende zu laden. Der alte |Siegmund reitet mit ihnen nach Worms. Beim Empfange blicktBrünhild unterweilen auf Kriemhilden, wie ihre Farbe gegen demGolde glänzt. In festlicher Freude verbringen sie zehn Tage.
Am elften, vor Vesperzeit, als Ritterspiel auf dem Hofe sich hebt,sitzen die zwo Königinnen zusammen. Da rühmt Kriemhild ihrenSiegfried, wie er herrlich vor allen Recken gehe. Brünhild ent-gegnen daß er doch nur Günthers Eigenmann sei. So eifern siein kränkenden Worten, und als man nun zur Vesper geht, kommensie, die sonst immer beisammen gingen, jede mit besonderer Scharihrer Jungfrauen zum Münster. Brünhild heißt Kriemhilden alsDienstweib zurückstehen; da wirft Kriemhild ihr vor, sie sei von ,Siegfried bezwungen worden, und geht in das Münster vor derweinenden Königin. 'Räch dem Gottesdienste wartet Brünhildvor dem Münster und verlangt von Kriemhilden Beweis jenerRede. Kriemhild zeigt Ring und Gürtel, die Siegfried ihr ge-geben, und abermals weint die Königin. Hagen gelobt, ihr Weinenan Siegfried zu rächen, und er zieht die Königin in den Mordrat.Falsche Boten werden bestellt und reiten zu Worms ein, als hätten !sie von Liudeger und Liudegast, die man auf Treu und Glauben |freigelassen, neuen Krieg anzusagen. Siegfried, der seinen Freundenstets gern dient, erbietet sich alsbald, den Kampf für sie zubestehen. Als das Heer bereit ist, nimmt Hagen von Kriem-hilden Abschied. Sie bezeigt Reue über das, was sie Brün-hilden getan, und bittet ihn, über Siegfrieds Leben in der Schlachtzu wachen.