Band 
Fünfter Teil.
Seite
399
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aber die Schenken säumen. Hagen gibt vor, er habe gemeint,das Jage» solle heut im Spessart sein, dorthin hab' er den Weingesandt. Doch hier nahe sei ein kühler Brunnen. Zu diesemberedet er mit Siegfried einen Wettlauf. Sie ziehen die Kleideraus; wie zween Panther laufen sie durch den Klee; Siegfried,all sein Waffengerät mit sich tragend, erreicht den Brunnen zuerst.Doch trinkt er nicht, bevor der König getrunken. Wie er sichjur Quelle neigt, faßt Hagen den Speer, den Siegfried an dieLinde gelehnt, und schießt ihn dem Helden durch das Kreuzes-zeichen, daß sein Blut an des Mörders Gewand spritzt. Hagenstieht, wie er noch vor keinem Manne gelaufen. Siegfried springtauf, die Speerstange ragt ihm aus der Wunde, den Schild raffter auf, denn Schwert und Bogen hat Hagen weggetragen; soereilt er den Mörder und schlägt ihn mit dem Schilde zu Boden.Aber dem Helden weicht die Kraft.

Ihm war die Färb’ erblichen, er konnte nicht mehr stehn.Seines Leibes Starke mußte da vergeh»:

Dem bleichen Antlitz drückte der Tod sein Siegel auf.

Drob ließen schöne Frauen bald den Tränen freien Lauf.

In die Blumen nieder fiel Kriemhildens Mann:

Man sah, wie aus der Wunde das Blut in Strömen rann.Mit bittern Worten schalt er in Not und Herzensdrang,

Die alle treubrüchig geraten seinen Untergang.

Es sprach der Todwunde: „Ihr, böse und verzagt,

Was frommt mir meine Treue, daß ihr mich falsch erschlagt?Getreu war ich euch immer, und bitter büß’ ich’s jetzt.

Ihr habt an euren Freunden, weh, die Treue schwer verletzt.“

Rot vorn Blute waren die Blumen weit und breit.

Da rang er mit dem Tode. Nicht währt’ es lange Zeit,

Da des Todes Wunde ihn allzu bitter traf.

Der Held kühn und edel schlief den schweren Todesschlaf.

I» der Nacht führen sie den Leichnam über den Rhein.Hagen heißt ihn vor Kriemhilds Kannnertür legen. Als man zur