Band 
Fünfter Teil.
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Mette läutet, bringt der Kämmerer Licht und sieht den blutigenToten, ohne ihn zu erkennen. Er meldet es Kriemhilden, die miihren Frauen zum Münster gehen will. Sie weiß, daß es ihrMann ist, noch ehe sie ihn gesehen; zur Erde sinkt sie, und dasBlut bricht ihr aus dem Munde. Der alte Siegmund wird herbei«gerufen; Burg und Stadt erschallen von Wehklage. Am Morgenwird der Leichnam auf einer Bahre im Münster aufgestellt. Dakommen Günther und der grimme Hagen; der König jammert. j„Räuber", sagt er, „haben den Helden erschlagen." Kriemhildheißt sie zur Bahre treten, wenn sie sich unschuldig zeigen wollten;da blutet vor Hagen die Wunde des Toten. Drei Tage unddrei Nächte bleibt Kriemhild bei ihm; sie hofft, auch sie werdeder Tod hinnehmen. Als darauf Siegfried zu Grabe getragenwird, heißt Kriemhild den Sarg wieder aufbrechen.

80 führte man die Fürstin zu der Leiche vor.

Mit ihren weißen Händen hub sie sein Haupt emporUnd küßt’ ihn, wie er tot lag, der edle Ritter gut.

Ihre lichten Augen weinten schier vor Jammer Blut.

Welch trauervoller Abschied ward da mitangesehn!

Da trug man sie von dannen: sie konnte nicht mehr gehnDie herrliche Fürstin in tiefer Ohnmacht lag.

Sie wäre fast erstorben von dieses Unheils schwerem Schlag.

Freudlos kehrt der König Siegmund heim. Kriemhild läßt !sich am Münster eine Wohnung bauen, von wo sie täglich zumGrabe des Geliebten geht. Vierthalb Jahr spricht sie kein Wort jmit Günthern, und ihren Feind Hagen sieht sie niemals. Hagenaber trachtet, daß der Nibelungenhort in das Land komme. Gernotund Giselher bringen die Schwester erst dahin, daß sie Günthern,mit Tränen, wieder grüßt; dann wird sie beredet, den Hort, ihreMorgengabe von Siegfried, herführen zu lassen. Als sie aberdas Gold freigebig austeilt, fürchtet Hagen den Anhang, den siedamit gewinne. Da werden ihr die Schlüssel abgenommen, undals sie darüber klagt, versenkt Hagen den ganzen Schatz im Rheine.