Band 
Fünfter Teil.
Seite
439
JPEG-Download
 

439

Sprach er, als wär's ein Spiel der Langenweile:

„Nun denn! vielleicht komm' ich. Nehmt selber wahr.

Was nun geschieht: die Hacke laß' ich fliegenHier in des Baums Gezweige. Bleibt sie drin,

So helf' ich euch, wen ihr nur wollt, bekriegen;

Kommt sie herab, so bleib' ich, was ich bin."

Die Hacke flog hinauf, kam nicht herab,

Und mit dem Kriegsvolk zog der junge Knab.

(I. SB. Widmann.)

120. Karl der Kühne.

1. Es steigt ob burgundischem Lager emporDie Sonne mit gold’nem Geflimmer.

Aus seidenem Zelte tritt hervor

Der Herzog. — Birg dich in Wolkenflor,

0 Sonne, wie blaß ist dein Schimmer!

2. Denn er ist goldener als dein Strahl,

Von Purpur starrt er und Seide,

Aus goldener Schüssel ißt er am Mahl,

Behaglich leert er den gold’nen Pokal,

Betrachtet sein funkelnd Geschmeide. —

Z. Was heult der Sturm durch die frostige Nacht?Wer ist der geängstete Reiter?

Sitzt ihm im Nacken der Furien Macht? —

Der Herzog ist’s, verloren die Schlacht!

Er stürzt, nicht kann er mehr weiter.

4. Sein Blick ist wirr und die Wange fahl,Zerrissen Purpur und Seide,

Zerbrochen der Stahl, geleert der Pokal!

In Nacht versunken der Sonne Strahl.

Ein Hirte trägt das Geschmeide.

(Arnold v. Salis.)