Band 
Fünfter Teil.
Seite
471
JPEG-Download
 

471

143. Die Kraniche des Ibykus.

(Um 530 vor Chr.)

1. Zum Kampf der Wagen und Gesänge,Der auf Korinthus’ Landesenge

Der Griechen Stämme froh vereint,

Zog Ibykus, der Götterfreund.

Ihm schenkte des Gesanges Gabe,

Der Lieder süßen Mund Apoll;

So wandert’ er an leichtem StäbeAus Rhegium, des Gottes voll.

2. Schon winkt auf hohem BergesrückenAkrokorinth des Wandrers Blicken,

Und in Poseidons FichtenhainTritt er mit frommem Schauder ein.

Nichts regt sich um ihn her; nur SchwärmeVon Kranichen begleiten ihn,

Die fernhin nach des Südens WärmeIn graulichtem Geschwader zieh’n.

3. „Seid mir gegrüßt, befreund’te Scharen,Die mir zur See Begleiter waren;

Zum guten Zeichen nehm’ ich euch,

Mein Los, es ist dem euren gleich:

Von fernher kommen wir gezogenUnd flehen um ein wirtlich Dach.

Sei uns der Gastliche gewogen,

Der von dem Fremdling wehrt die Schmach!*

4. Und munter fördert er die SchritteUnd sieht sich in des Waldes Mitte;

Da sperren auf gedrangem Steg

Zwei Mörder plötzlich seinen Weg.

Zum Kampfe muß er sich bereiten,

Doch bald ermattet sinkt die Hand,

Sie hat der Leier zarte Saiten,

Doch nie des Bogens Kraft gespannt.