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Ein zweites Tor, !
20 Daraus rennt i
Mit wildem SprungeEin Tiger hervor.
Wie der den Löwen erschaut.Brüllt er laut,
25 Schlägt mit dem SchweifEinen furchtbaren ReifUnd recket die Zunge,
Und im Kreise scheuUmgeht er den Leu30 Grimmig schnurrend;
Drauf streckt er sich murrendZur Seite nieder.
Und der König winkt wieder,Da speit das doppelt geöffneteHaus
35 Zwei Leoparden auf einmal aus.Die stürzen mit mutiger Kampf-begier
Auf das Tigertier;
Das packt sie mit seinen grimmigenTatzen,
Und der Leu mit Gebrüll40 Richtet sich auf, da wird's still;Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die greulichen Katzen.
Da fällt von des Altans Rand45 Ein Handschuh von schöner Hand, jZwischen den Tiger und den !Mitten hinein. sLeu'n
Und zu Ritter Delorges spot-tenderweis' !
Wendet sich Fräulein Knnigund':
„Herr Ritter, ist Eure Lieb' so '>oheiß.
Wie Ihr mir's schwört zu jeder |Stund',
Ei, so hebt mir den Handschuhauf!"
Und der Ritter in schnellemLaus
Steigt hinab in den furchtbarenZwinger,
Mit festem Schritte, 5b
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mitkeckem Finger.
Und mit Erstaunen und mitGrauen
Sehen's die Ritter und Edel-frauen,
Und gelassen bringt er den Hand- i:0schuh zurück.
Da schallt ihm seinLob ausjedemMunde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick —
Er verheißt ihm sein nahesGlück —
Empfängt ihn Fräulein Kuni-gunde.
Und er wirft ihr den Handschuh 6»ins Gesicht:
„Den Dank, Dame, begehr' ichnicht!"
Und verläßt sie zur selben Stunde.
(Fr. Schiller.)