Band 
Fünfter Teil.
Seite
533
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210. Über ein Stündlein.

Dulde, gedulde dich sein!über ein StündleinIst deine Kammer voll Sonne!

Über den First, wo die Glockenhangen,

Ist schon lange der Scheingegangen,

Ging in Türmers Fenster ein.Wer am nächsten dem Sturmder Glocken,Einsam wohnt er, oft erschrocken;Doch am frühsten tröstet ihnSonnenschein.

Wer in tiefen Gassen gebaut,Hütt' an Hüttlein lehnt sich traut,Glocken haben ihn nie erschüttert,Wetterstrahl ihn nie umzittert.Aber spät sein Morgen graut.

Höh' und Tiefe hat Lust undLeid.

Sag' ihm ab, dem törigen Neid:Andrer Gram birgt andre Wonne.

Dulde, gedulde dich fein!Über ein StündleinIst deine Kammer voll Sonne!

(Paul Heyse,)

211. Bürdeli träge.

Weisch, wie hämm-mer als Chinder gseit:

„Bürdeli träge“,

„Niemerm säge!“

Gell, wie isch-es au lustig gsi!

Siderher hämm-mer Glegeheit,

Bürdeli z’träge,

Niemerem z’säge —

Luege-n aber ganz anders dri.

(Marg. Kieser.)

212. Der Reisebecher.

Gestern fand ich, räumend eines langvergeß’nen Schrankes

Fächer,

Den vorn Vater mir vererbten, meinen ersten Reisebecher.Währenddes ich, leise singend, reinigt’ ihn vorn Staub der

Jahre,

War’s, als höbe mir ein Bergwind aus der Stirn die grauen

Haare,