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und Unternährer, voran geschritten. Diese drei Teilen hattenkurz vorher unter dem Gelächter der Menge einen LuzernerSchuldenboten, gebunden, mit einem Zaume und Strohkranzegeschmückt, aus dem Lande geführt. Vergeblich suchte der Schult-heiß Dulliker von Luzern die stürmische Versammlung zu be-schwichtigen. Er schloß seine Rede mit den Worten der heiligenSchrift: „Wer der Obrigkeit widersteht, widersteht Gott." Darief ihm ein kräftiger Aelpler zu: „Ja, ja, Herr Schultheiß,ihr seid von Gott, wenn ihr gerecht, aber vvm Teufel, wennihr ungerecht seid!"
Da sich der Aufstand schnell und drohend auch im KantonBern ausgebreitet hatte, versammelte sich sofort die Tagsatzungzu Baden. Nach einigen Unterhandlungen gelang es, die Bauernzu beruhigen und zur Abbitte zu bewegen. Schon schien Allesbeigelegt, als der Aufruhr mit neuer Gewalt losbrach. Einegroße Versammlung von Bauern aus Luzern, Bern, Aargau,Basel und Solothurn fand zu Sumiswald statt; sie beschworendaselbst einen allgemeinen Verbrüderungsbund. Von Luzernzeichnete sich vor Allen Schybi, ein alter Soldat, durch seineaußerordentliche Thätigkeit aus. Niklaus Leuenberger vonSchönholz im Emmenthal, ein stattlicher, beredter und volks-thümlicher Mann, wurde wegen seiner Ehrfurcht gebietendenHaltung zum Anführer und zum Obmann des Bundes gewählt.Zwei fernere Versammlungen zu Hutwyl bestätigten das ge-schlossene Bündniß. Während der Obmann in rothem Waffen-rocke, das Schwert an der Seite, durch die aufständischen Gegen-den ritt, hatte sich die Tagsatzung über einen Angrisfsplan ge-einigt. Oberst Zweier von Uri sollte Luzern schützen, KonradWerdmülller von Zürich von Osten, Sigismund v. Erlachvon Westen her die Aufständischen angreifen.
80. Ausgang des Krieges.
(1653.)
Endlich lagerte sich Leuenberger mit 20,000 Bauern in derUmgegend von Bern, um die Stadt zu Zugeständnissen zu nöthi-gen. Die Posten, welche die Aare-Uebergänge gegen die derStadt zu Hilfe kommenden Waadtländer halten sollten, wurdendurch die Täuschung, Leuenberger sei katholisch geworden, zumAbzüge bewogen. Nichtsdestoweniger ließ sich die Stadt zu einem