153
welche nicht als Großmutter ihren Hochzeitsrock noch am Feier-tage trug; oft zierte derselbe auch die Tochter an ihrem Hoch-zeitstage.
Wie das Volk einfach und haushälterisch lebte, so warenauch die Regierungen darauf bedacht, mit den öffentlichen Gel-dern sparsam umzugehen. Jede sammelte nach Vermögen einenöffentlichen Schatz, vor allen die Werner; die Grundlage dazuwar schon bei der Eroberung des Waadtlandes gelegt worden.Durch glückliche Spekulationen mit englischen Papieren erreichteder Werner Staatsschatz eine beträchtliche-Höhe und reizte dieRaubgier des französischen Direktoriums. Uebrigens lagen nichtalle Gelder brach; manches wurde für öffentliche Gebäude, fürStraßen und Brücken verwendet.
öl. Folgen der französischen Revolution auf die Schweiz.
Im Jahre 1789 brach die französische Revolution aus,welche nicht blos Frankreich vollständig umgestaltete, sondern auchdie Schweiz und ganz Europa auf's Tiefste erschütterte. AlleVorrechte des Standes und der Geburt wurden abgeschafft; dasalte Königthum wurde zu Grabe getragen und die GleichheitAller eingeführt. Die Verkündung der Freiheit, Gleichheitund Brüderlichkeit fand in der Schweiz, besonders in denUnterthanenländern, viele bereitwillige Ohren und Herzen. DieSchweizerregimenter, in Frankreich als die Beschützer des unum-schränkten Königthums schon längst verhaßt, lösten sich allmäligauf; etwa 700 Mann wurden am 10. August 1792 in denTuilerien vorn ausgestandenen Pariservolke ermordet; anderestarben später unter dem Henkerbeil. Ohne Sühne verhallteder Nothschrei des Schweizervolkes über diese Gräuel. Dieblutigen Vorgänge in PariS spielten sich alle in kleinerem Maß-stabe zu Genf ab; kaum schützten die schweizerischen Waffendiese Stadt noch einige Jahre vor französischer Besetzung.
Die schweizerischen Regierungen waren verblendet und sahendas gegen sie losbrechende Gewitter nicht; statt sich mit ihrenUnterthanen auf guten Fuß zu stellen, häuften sie durch Strengedie Unzufriedenheit. So wollte Zürich nichts vom Nachgebenwissen, als einige Gemeinden vom See mit den StadtbürgernGleichberechtigung in Handel und Verkehr verlangten, wie esdurch alte Urkunden festgestellt war. Die Bittsteller wurden