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Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Prof. Dr. Wilhelm Oechsli
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t'reien. Wohl hatte es seit alters bei ihnen einen Àdelgegeben; aber der gewohnliche Freie hatte sich dem Edel-mann als ebenbürtig gefühlt, und noch zu Karls des GroBenZeit zog der vornehmste Graf vor dem freien Landmann denH ut ab. Die freien Bauern liatten den Kern des Volkesgebildet, sie waren der Wehrstand des Keiclies gewesen, in-dem jeder Freie verpflichtet war, auf das Aufgebot des Grafensicli mit Welir und Waffen beim Heere des Konigs einzu-finden. Allein die Zeiten hatten sich verandert. In denKampfen gegen die Ungarn, auf den Zügen nach Italien odergar ins ferne Morgenland hatte sich bei den Heerführern dieAnsiclit gebildet. daB nur der schweibewaftnete, in Eisengepanzerte Keitersmann ein rechter Krieger sei, und die Fürstenwollten daher fiir ihre Kriege vor allem Reiterheere haben.Wie hatte aber der gewohnliche freie Bauer die Alittel ge-habt, um Schlaclitrosse und die dazu gehbrigen Knechte zuhalten und auszurüsten, oder die Zeit, um sich die notigenFertigkeiten anzueignen, welche der Reiterdienst in schwererRüstung erforderte ? Daher horte die allgemeine Wehrpüichtauf; statt in den Krieg zu ziehen, bezahlte der Bauer erhôhteAbgaben an den Grafen. Es wurde sogar an manchen OrtenGesetz, dafi kein Bauer xnehr Waffen tragen dürfe. Dafürbildete sich ein besonderer erblicher K r i e g e r- oder Rit ter-stand aus, der von Jugend an fiir den Krieg erzogen wurde,in diesem seinen Beruf erblickte und voll Verachtung auf diewehrlose Masse hinuntersah. Die Mittel zu ihrem Unterhaltgewannen die Ritter aus den Lehen, die ihnen der Konig,der Herzog, der Graf oder der Bischof erteilte, seien es Giitermit Horigen, von deren Abgaben sie 'lebten, seien es Herr-scliaftsrechte mit Einkünften aller Art. Der Reiterdienstgenofi solche Ehre, daB sich der Ritterstand über die ge-wohnlichen Freien als ein neuer Adel erhob. Sogar Leib-eigene, die von ihren Herren instand gesetzt wurden, demritterlichen Beruf e zu leben, wurden holier geachtet als derfreie Bauer, der sein Feld bestelite, und zâhlten schliefilichzum Adel. Docli machte man zwischen den freien und un-