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Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Prof. Dr. Wilhelm Oechsli
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enthauptet. Zwei Jahre spâter traf das gleiche Schicksaleinen Juden, weil er gesagt hatte, Ch ri s tu s sei der Sohneines Juden gewesen. Zugleich wurden seine Glaubensgenossenauf ewig aus dem Gebiet des Kantons bei Strafe an Leib undGut verbannt. Die Entdeckungen der grôBten Naturforscher,wie diejenigen eines Kopernikus und Galilei, durften nicht ge-lebrt werden, weil sie der Bibel widersprachen. So wurde dieWissenschaft in die engsten Fesseln geschlagen; die Studienan den hohern Schulen verfielen. Dafür gedieh der Aber-glaube bei boch und niedrig, insbesondere der scheuBlicheHexenwahn, dem in Zürich wahrend des 17. Jahrhun-derts 24 Personen zum Opfer fielen. In der katholischenSchweiz stand es freilich noch schlimmer. Das kleine Stâdt-chen Sursee verbrannte im 17. Jahrhundert allein 34 Hexen,und in Luzern wurden selbst siebenjahrige Kinder unter dieserAnschuldigung erwürgt und hierauf dem Feuer übergeben.

3. Geistige Blüte der Schweiz im 18. Jahr-hundert. Erst mit dem 18. Jahrhundert begann sichwieder ein freierer Geist zu regen. Die reformierteu Kirchenschüttelten jene alleinseligmachenden Glaubensformeln wiederab; man lieB die unnützen Streitfragen ruhen und legte dasHauptgewicht auf Sittlichkeit und tâtige Menschenliebe. Aufkatholischer Seite wurde der Jesuitenorden vom Papste1773 aufgehoben, weil er den Frieden der Christenheit store.Die Idee der Toleranz, der Duldung der verschiedenenGlaubensbekenntnisse brach sich Bahn. Der Aberglaube ver-schwand vor der wissenschaftlichen Erkenntnis wenigstensunter den Gebildeten. Die Hexenprozesse hôrten auf, und es1782 war nur ein ganz vereinzelter Fall, daB 1782 noch eine Magdin Glarus neben wirklichen Yergehen auch angebliche Zaubereimit dem Tode büBen muBte. Mit der Aufklârung erwachtewieder ein edler Enthusiasmus für das Wahre und Schône,für Wissenschaft und Poesie. Sammlungen wurden angelegt,Bibliotheken geâufnet, gelehrte Gesellschaften gegründet, Zeit-schriften herausgegeben und wissenschaftliche Anstalten insLeben gerufen. Zugleich brachte die kleine Schweiz im Laufe