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Lehrer waren meist arme Bauern und Handwerker, die daselend besoldete Amt als Nebenverdienst übernahmen und ge-wohnlich selber nur notdürftig lesen und schreiben konnten.Allmàblicb fingen jedoch Regierungen und Private an, demVolksschulwesen grôBere Aufmerksamkeit zu schenken. Wiedringend die Aufgabe einer bessern Volksbildung war, er-kannte vor allem der edle Heinrich Pestalozzi aus Zürich,der sein ganzes Leben der Erziehung der Armen und derEinfiibrung besserer Unterrichtsweisen widmete.
4. Aufblühen des Gewerbes im 18. Jahrhundert. —Obsehon noch immer Tausende der krâftigsten Schweizer ibrBrot in auslandischen Kriegsdiensten suchten, blieben diefriedlichen Erwerbsquellen zu Hause nicht vernachlassigt.Regierungen und gemeinnützige Yereine waren mit Erfolgtâtig, durch Verbesserung des Bodens, Einführung neuer Ge-wachse, besserer Gerâtschaften usw. die Landwirtschaftzu heben. Trotz vieler natürlicher und künstlieber Hinder-nisse nahmen Industrie und Handel in der Schweiz im18. Jahrhundert einen groBartigen Aufschwung und dehntenihre Absatzgebiete bis in die überseeischen Lânder aus. InZürich und Base! hob sich das Seidengewerbe zusehends.St. Galien und Appenzell AuBerrhoden erlangtendurch ihre feinen Baumwollgewebe und Stickereieneinen Weltruf. Glarus verwandelte sich ebenfalls durch dieEinführung des Baumwollgewerbes aus einem Tal von Hirtenin ein solches von Spinnern und Webern. In Genf war 1587durch einen Franzosen die Uhrmacherei eingeführt worden.Im 18. Jahrhundert beschaftigte diese Industrie bereits 60001679 Personen. Im Jahre 1679 sah ein Schmied, Jean Richard,im Neuenburger Jura die erste in diese Gegenden ge-braclite Ubr und ahmte sie nach. Hundert Jahre spaterAvurden in Locle und la Chaux-de-Fonds jahrlich schon40,000 Uhren verfertigt. Kein Wunder, daB man in Frank-reich die Besorgnis auBerte, die Schweizer # seien im Begriff,aus einem Volk von Ivriegern sich in ein Industrie- undHandelsvolk zu verwandeln.